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Geschichte der Juden.
Im Jahre 774 u. e. (21 post) wurden zwei Delatoren aus dem Ritterstande,die den Prätor Magins Caecilianus des Majestätsverbrechens angeklagt haben,auf Anregung des Kaisers und durch das Dekret des Senats bestraft (Daoitus,Xnuai. 3, 38). Auf diese Strenge gegen die Angeber bezieht sich unstreitigder Passus im Aristeasbrief: „Recht tut euer König, welcher solche hinrichtenläßt, wie wir vernehmen". Folglich sich möchte den Schluß kaum für stringentHaltens ist dieser Brief in den ersten Negierungsjahren des Kaisers Tiberiusverfaßt worden (um 15—2t), und es war, als ihn Philo benutzte, beinahe einMenschenalter dahiugegange», so daß er ihn als eine alte Quelle betrachtenkonnte. Unter Cajus kann die Abfassung nicht fallen, weil dieser kaum achtMonate den Schein eines guten Regenten gewahrt hat, und weil von ihm nichtberichtet wird, daß er die Delatoren bestraft habe, sondern lediglich, daß erdie Äußerung getan habe, er werde ihnen nicht sein Ohr leihen (Sueton,Claudius 15). Man kann noch zur Unterstützung den Namen des HohenpriestersEleasar ^) anführen, dem der Aristeasbrief eine wichtige Rolle zuteilt. Warumgerade diesen unter den Hohenpriester» der nachexilischen Zeit seltenen Namen?Gerade in der nachherodianischen Zeit gab es zwei Hohepriester dieses Namens:Eleasar, Sohn Boöthos und Eleasar, Sohn Ana ns (Jos. Altert. XVII,13, 1; XVIII, 2, 2). Der letztere fungierte unter Tiberius, wurde von demProkurator Valerius Gratus eingesetzt und fungierte etwa um lii —17 post.Könnte man annehmen, daß der Aristeasbrief gerade während der Funktiondieses Hohenpriesters verfaßt wurde, so wäre das Jahr der Abfassunggefunden.
Ist er erst in Tiberius' Zeit entstanden, so ist es nicht weiter auffallend,daß der Vers., da in Alexandrien noch manche Einrichtungen und Benennungenaus der Zeit der Ptolemäer in Erinnerung geblieben waren, diese nur deswegenangeführt hat, um seinem Werke eine täuschende Lokal- und Zeitfärbung zu geben.Das Argument des Herrn Lumbroso von diesem Umstande ist also keineswegsvon großer Beweiskraft für das höhere Alter oder gar für die Authentie desBriefes. Wenn auch manche Termini in demselben Parallelen an den ägypti-schen Papyrusrollen haben, wie Lumbroso durch Vergleichung gefunden hat(Uretaes p. XIII und öfter im Texte), so fällt dieser Umstand durchaus nichtins Gewicht, da diese Papyrus selbst zum Teil ans der nachptolemäischen Zeit,also aus der Zeit der römischen Okkupation stammen. Die Griechen inÄgypten haben, wie es scheint, gewissermaßen zum Trotz gegen ihrerömischen Herren, Formeln und Titel aus der Zeit ihrer Selbständigkeit bei-behalten.
7) Wenn also der Aristeasbrief eine Fiktion ist, woran kein Zweifel auf-kommen kann, wie kam der Vers, darauf, gerade Demetrios Phalereus zumBibliothekar des Königs Philadelphus und infolgedessen zum Anreger derSeptuagintaübersetzung zu machen, da er doch darin keineswegs von derTradition unterstützt war? Warum ist er nicht der beglaubigten Nachricht ge-salzt, dis den Kyrenaiker Kallimachos zum Aufseher über Philadelphus' Museenmacht, und warum hat er nicht diesem die Rolle des Protektors für dasjudäische Gesetzbuch zugeteilt?
Z Dieser Hohepriester Eleasar verdankt seine Existenz lediglich dieserSchrift, und nach ihr hat ihn JosephuS in die Reihenfolge der vormakkabäischenHohenpriester eingefügt (Altert. XII, 2, 5; 4, 1). Woher er de» HohenpriesterManasse bezogen hat, Eleasars angeblichen Onkel, ist vor der Hand fraglich.