Note 2. Die Entstehung der Septuaginta und der Aristeasbrief. 585
Ist schon die Erzählung von dem Bibliothekaraint des Phalerens unterPhiladelphus unhistorisch, so ist cs nicht minder die Angabe, daß dießer athe-nische Archon gewußt habe, daß es zwölf Stämme Israels gebe, daß er demKönig geraten, von jedem Stamme je sechs Männer zum Werke der Übersetzungdes Pentateuchs kommen zu lassen, und daß endlich wirklich 72 Dolmetscher,aus jedem Stamme je sechs, nach Alexandrien gekommen seien. Ein Schrift-steller, der in der nachexilischen Zeit den Bestand der zwölf Stämme voraus-setzt, bringt sich um jede geschichtliche Glaubwürdigkeit.
Wie gesagt, gälte es bloß die Ungeschichtlichkeit der Darstellung von demZustandekommen der griechischen Übersetzung unter Philadelphus auf Anratendes Phalereus vermittelst der 72 Dolmetscher zu konstatieren, so brauchte mankein Wort darüber zu verlieren und die Untersuchung von neuem aufzunehmcn.Der pseudepigraphische Charakter der Aristeasepistel ist sonnenklar. Aber esverdient doch untersucht zu werden, in welcher Zeit diese Pseudepigraphie ent-standen ist, da die Momente, welche ihr eine ganz bestimmte Zeit zuweisen, bis-her übersehen worden sind. Die Untersuchung über die Abfassungszeit dürftenicht bloß die Tendenz des Briefes erschließen, sondern auch manches Interessantebezüglich des judäischen Hellenismus resultieren lassen. Sehen wir uns dieStellen an, die eine bestimmte Zeitlage voraussetzen.
1) Ein langer Passus handelt vom Delatoren wesen. Der Vers, läßt beider Erläuterung der Speiscgesetze in einem Dialog zwischen Eleasar und Aristeasauseinandersetzen, warum das Geschlecht der Wiesel E«I^) sür unrein gelteund zum Genüsse verboten sei: weil es mit dem Ohre empfange und aus demMunde gebäre. Dieses bedeute, daß diese Sinnesart der Menschen unrein sei,die, was sie mit dem Ohre vernehmen, mit dem Munde übertreiben, andereins Unglück verwickeln und sich mit der Unreinheit der Freveltat beflecken.„Mit Recht läßt daher euer König solche mit dem Tode bestrafen,wie wir vernehmen"). Darauf Aristeas: „Du scheinst wohl von den An-gebern zu sprechen?2) „Sie belegt er allerdings beständig mit Folter undund Tod zum Schmerze". Dann Eleasar: „Von diesen spreche ich allerdings.Ihre Wachsamkeit ist für die Menschen ein frevelhaftes Verderben"^).
Es ist gar nicht zu verkennen, daß diese dialogische Auseinandersetzungdas Delatorenwesen in der Kaiserzeit s?j brandmarken will. Denn auf griechische
Dolmetscher den Philosophen Menedemos, den Gründer der erstreischsnSchulein Alexandrien anwesend sein und die philosophischen Tischgespräche derselbenbewundern (p. 48). Menedemos müßte demnach nach 282 gelebt haben. Alleinmehrere griechische Autoren geben an, daß er ein Zuhörer Platos gewesen seiund zwar im 24. Lebensjahre, und wenn er auch das Alter von 84 Jahrenerreichte — oder gar 94 nach Hodys Emendation, — so war er in dieser Zeitnicht mehr am Leben. Noch mehr, dieselben Autoren lassen M. sogleich nach Be-siegung der Gallier vor Gram sterben um 278. Wie kann er dann 262 an Phila-delphus' Hofe gewesen sein? Außerdem steht es fest, daß er nur einmal inÄgypten als Gesandter, und zwar bei Ptol. Lagi, war. Im Alter blieb er dem-nach beständig in Mazedonien. Vergl. darüber Hodys Abhandlung zu Aristeasp. 37 fg. sund jetzt Zeller, Philos. d. Griechen II, l, S. 276ff. Wendlanda. a. O. S. 21, Note dj.
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sei. Hody (H.), p. XIX; eil. M. Schmiot (Sch.), p. 42; sscl. Wend-land, Z 166 f.j.
2) I kr? «-roller«»- «voaeoc.