Nole 2. Die Entstehung der Septuaginta und der Aristeasbrief. 583
sondern die Übersetzungen so ausgenommen hat, wie sie ausgefallen waren.Man darf sich auch nicht daran stoßen, daß manche hebräische Wörter xurswiedergegeben sind, wie oder gar das Verbum ic-rc'.v (Levit 23, 32)
ich sage, man darf sich daran nicht stoßen; denn einmal war derSabbat auch den Griechen bekannt, wie Philo behauptet (äs Vita Uosis II, 3sä. LlanKS^ I 137 Ix.), und wohl auch Pascha, und zwar aus dem judäischenLeben. Dann ist öfter ein erklärendes Wort hinzugesügt: zu das
Wort und zu rräa^cc: k-r-'/Sc-vt?, und endlich können diese Wörter später
hineingebracht worden sein. Daraus läßt sich also keineswegs folgern, daß dieÜbersetzung ursprünglich nicht für einen griechischrsdenden König angelegt wordensei. Freilich, war sie einmal vorhanden, so diente sie selbstverständlich auch fürden synagogalen Gebrauch.
II. Die Abfassungszeit des Pseudo-Aristeas.
Das angebliche Sendschreiben des Aristeas an seinen Bruder Philokralesoder das im siebzehnten und achtzehnten Jahrhundert Gegenstand
lebhaften Streites unter den philologisierenden Theologen und theologisieren-den Philologen, dann eine Zeitlang außer acht gelassen, hat in dem letztenDezennium abermals die Aufmerksamkeit der Forscher auf sich gezogen. DerHolländer Co bet hat in der griechischen Zeitschrift 1866, x. 177 fg.)
über dieses Sendschreiben samt andern Erzeugnissen des judäischen Hellenismusein wegwerfendes Urteil ausgesprochen. Moriz Schmidt hat (in Merx' Archivfür wisfensch. Erforsch, d. alt. Test. 1869 I, S. 12) auf Grund zweier PariserCodices die Korrektur des in den Editionen von Kopisten- und Druckfehlernwimmelnden Textes durch Angabe der varias Isstionss angebahnt. Der ItalienerOiaeomo I-umbrn8v hat (in seinem preisgekrönten und in der Tat ge-diegenen msmoirs: rsellereliss sur I'ssonomis polibigus äs I'LzFpts 80N8 Is8I-aZ-iäeo 1870 im Vorworte x. XII ff.) die Wichtigkeit dieses Brieses für dieArchäologie des Ptolemäerreiches hervorgehoben und zum Schluffe (Lmnsxs8p. 351) Lesarten aus einem Venetianischen Codex zusammengestellt. Lumbrosohat überhaupt eine ganze Reihe von Codices des Aristeasbriefes in England,Nom und der St. Marc.-Bibliothek in Venedig, welche bisher der gelehrtenWelt unbekannt waren, ans Licht gezogen und kollationiert. (Über die Hand-schriften und Ausgaben s. jetzt Wendlands Ausgabe (Leipzig 1900), S. VII bisXIX u. S. XXVI ff.) Ferner hat Aemilius Kurz (in einer Promotions-schrift Xri8teas spi8tola aä kliilooratsm, Bern 1872) von neuem die Frage überEchtheit oder Unechthcit dieser Epistel erörtert und glaubte auf Grund des vonSchmidt gegebenen korrekteren Textes neue Momente für Beurteilung dieserFrage gefunden zu haben. Freudenthal endlich hat dein Verf. desAristeasbriefes alle Sünden der judäisch-alexandrinischen Pseudepigraphie auf-geladen (Hellenistische Studien 1875, S. 162 tg.): Pseudo-Aristeas sei derselbewie Pseudo-Artapanus und wie Pseudo-Hekataios. Der Verfasser aller dieserpseudepigraphischcn Machwerke sei darauf versessen gewesen, um die judäischeVergangenheit und die judäischen Institutionen in den Augen der Griechen zuheben, Märchen zu erfinden und sie in den Mund pseudonymer Verfasser zulegen. (Weitere Literatur s. bei P. Wendland in Kautzschs Apokryphen undPseudepigraphen d. 'Alten Test. (Leipzig 1900), II, S. 1—31, und in des-selben Ausgabe des Briefes (Leipzig, 1900), S. XXVff.)
Gälte es bloß die Unechtheit des Aristeasbriefes zu konstatieren, so könntendie Akten völlig geschlossen werden. Denn die Momente für die Unechtheil des-