Note 2. Die Entstehung der Septuaginta und der Aristeasbrief. 581
»eigung zu den Judäeru und dessen Bekanntschaft mit dem Judentum historischbeurkundet ist. Es geht mit diesem Faktum wie mit der Freundschaft desAntouinus mit dem Patriarchen R. Juda; man sucht mühsam unter denAntoninen einen judenfreundlichen Kaiser und übergeht Alexander Severus,dessen Judenfreundlichkeit konstatiert ist. Ich stelle daher die zweite These auf.Die Septuaginta ist aus Veranlassung des Ptolemäus Philo-metor übersetzt worden. Folgende Gründe werden diese These zweifel-los machen:
1) Philometor war ein warmer Anhänger der Judäer, weil sie ihn inseinen Kriegen gegen die Seleuciden und gegen seinen Bruder Physkon aufskräftigste unterstützt haben. Nicht nur Josephns erzählt, daß er die zwei judäischenPriester Onias und Dositheos zu seinen Feldherren ernannt und ihnen seinganzes Reich uberlassen habe, sondern auch der Judenfeind Apion hat in seinerSchmähschrift gegen die Judäer die Tatsache als bekannt vorausgesetzt (Josephuscontra, Xpionem II, 5). Vergl. Note 4.
2) Philometor hat einen Neligionsstreit zwischen den Judäern und Sama-ritanern Alexandriens über die Heiligkeit des Tempels in Jerusalem oder aufGarizim mit lebhaftem Interesse angehört, woraus eben seine Teilnahme anden religiösen Streitfragen der Judäer hervorgeht. Vergl. Note 5.
3) Philometor hat in seinem Reiche den Oniastempel erbauen lassen.
4) In dem ersten Sendschreiben aus Jerusalem an die ägyptischen Judäerwird ein Priester, Juda Aristobulos, Lehrer des Königs genannt (vergl.Note 10). Nun kann dieser Judäer nur Lehrer Ptolemäus des VI. Philo-metor gewesen sein. Dieser König konnte demnach einzig und allein Interessefür das Buch haben, für dessen Inhalt sich die Judäer in Palästina geopferthatten.
In den ersten Ausgaben habe ich als Argument für die Entstehung derI-XX in Philometors Zeit auch die Nachricht der kirchenväterlichen Literaturangeführt, daß der judäische Peripatetiker Aristobul zur Zeit dieses Königs ge-lebt und demselben eine „Exegese" oder „Hermeneia" der heiligen Schrift gewidmethabe und endlich zu den 70 Dolmetschern gezählt worden sei. Das ChroniconPaschale z. B. berichtet: ö;
(sä. Bonn I, 337),
Diese Angabe stammt aus Eusebius' Chronicon. In der Kirchengeschichte(VII, 32, 16) zieht Eusebius aus Anatolius' Paschal-Kanon folgende Notizaus: ....»? Ä rol? rod; rä?
Infolge dieser Notiz' gerieten die Kirchenväter ClemensAlexandrinus und Eusebius in arge Konfusion. Sie litten an dem Widerstreit zweier Relationen, der ihnen über den Kopf gewachsen war. Hier dieAristeassage, daß die Septuaginta unter Philadelphus und Eleasar entstandenseien, dort die Nachricht des Anatolius, daß Aristobul zur Zeit des Philometoreiner der Übersetzer gewesen sei. Darum machten sie Aristobul zum Zeitgenossendes Philadelphus und Eleasar. Diesen durch Kritiklosigkeit noch mehr verwirrtenKnäuel suchten die Forscher zu lösen. Eine besondere Monographie darüber schriebValoüsuasr, äiatrids äs Xri8todulo änäaeo; vergebliche Mühe. Es läßt sichschlechterdings nichts damit machen, weil der judäische Peripatetiker Aristobulebenso wie der Aristeasbrief ein Kind der Phantasie ist. Es hat wohl einen