Flavins Josephus' Schriften. 557
als er mit verbittertem, patriotischem Gefühle sah, wie sein FeindJosephus auch nach Titus' Tode bei dessen Nachfolger, dem verworfenenDomitian, und bei der nicht minder verworfenen Kaiserin Domitiain Gunst geblieben war.
Dieser hatte sich in seiner Muße, die er unter Titus' und Do-mitians Regierung genoß, mit einem umfassenden Werke über diejudäische Geschichte von Beginn an bis auf die, dem Kriege voran-gegangene Zeit beschäftigt. Sein Freund Epaphroditos, ein Mannvon Geist und Kenntnissen, der eine Zuneigung zum Judentum hatte,ermunterte ihn dazu und half ihm dabei den griechischen Stil ver-bessern^). Erst im dreizehnten Jahre von Domitians Regierung (93)vollendete Josephus dieses Werk in zwanzig Büchern unter dem Titel„Altertümer" das ihn mit Recht unsterblich gemacht
hat. Mit vielem Fleiße und vielen Kosten hat er die außerjudäischenQuellen gesammelt und benutzt, sie mit den geschichtlichen Berichten derheiligen Schriften in Einklang gebracht und ein Nationaldenkmal ge-schaffen, das die Taten und Gedanken des judäischen Volkes dem Kreiseder gebildeten Völker bekannt gemacht hat. Bald darauf aber setzteer sich ein Denkmal der Schande. Justus' Geschichte des judäischenKrieges war ihm inzwischen zugekommen und hatte ihn in leidenschaft-liche Aufregung versetzt. Er fühlte sich nicht bloß an seiner Ehre an-gegriffen, sondern auch an seinem Leben bedroht. Es war in der Tataußerordentlich gefahrvoll für ihn, sich als Römerfeind angeklagt zusehen. Wie viel bedurfte es bei dem argwöhnischen Tyrannen Domi-tian, um von der Stufe der höchsten Gunst in den Abgrund schmäh-lichen Untergangs geschleudert zu werden! Judäer, die ihn als Röm-ling aus dem Grunde ihrer Seele haßten, versuchten öfter ihn beiDomitian anzuklagen und ihn zu verderben. Sein eigener Haussklave,der Erzieher seines Sohnes, war als Ankläger gegen ihn ausgetreten^).Es war aber Josephus bis dahin gelungen, wer weiß durch welcheschlauen Mittel, sich nicht bloß zu rechtfertigen, sondern auch seine An-kläger gezüchtigt zu sehen! Und nun trat Justus mit einer Schriftauf, die ihn als verkappten Römerfeind und als warmen Befördererdes Krieges gegen die Römer schilderte. Um sich gegen die Anklagendes Justus von Tiberias zu rechtfertigen, schilderte er als Anhang zu
U Das. contra .^.pionsm I, 8: r-o- -rgo?
Dazu gehörte wohl Epaphroditos, von dem er mit großerEmphase spricht. Einleit, zu den Altert. 2, und dem er diese und die Schriftcontra.^planem gewidmet hat, Vita Schluß u. e. ^.pionem Ende. Welcherunter den historisch bekannten Epaphroditos Josephus' Freund war, kann nichtermittelt werden (Vsrgl. Schürer 1^, S. 89, Anm. 8s.
Das. Vita Schluß.