Druckschrift 
3. Geschichte der Judäer von dem Tode Juda Makkabi's bis zum Untergange des judäischen Staates 2 (1906)
Entstehung
Seite
546
Einzelbild herunterladen
 

546

Geschichte der Juden.

währte Titus dem Judenhasse der Syrer die Schadenfreude, sich andem Todesröcheln der Unglücklichen zu weiden. Das war Titus'Milde und Menschenfreundlichkeit.

Wie viel fehlte, daß sämtliche Judäer im römischen Reiche, be-sonders die in Syrien, Kleiuasien, Alexandrien und Rom das traurigeGeschick ihrer Brüder in Judäa geteilt hätten! Denn die heidnischeBevölkerung war infolge des judäisch-römischen Krieges gegen dieSöhne Jakobs auf das tiefste erbittert, ihr Judenhaß war bis zumFanatismus gesteigert*), und sie machte keinen Hehl daraus, daß derenVertilgung ihr Herzenswunsch war. Titus' Herz hätte sich nichtdagegen gesträubt. War es ein Zufall oder ein Werk der Vorsehung, daßBerenices Bild in diesem Herzen thronte und es milde gegen ihreStammesgeuossen stimmte? Sie war damals in dem traurigen Ge-schichtsgang ihres Volkes seine Beschützerin. Diesen Schutz genossenzunächst die Judäer der syrische» Großstadt Antiochien. Hier wurdeder glühende Judenhaß noch durch einen ruchlosen abtrünnigen Judäergesteigert. Jener Antiochos, der Sohn des Vorstehers der auti-ochensich-judäischen Gemeinde, der aus irgend einem Grunde oder ausHerzensverdorbenheit ein Feind seiner Glaubensgenossen und seinesGlaubens geworden war, hatte zur Zeit, als Vespasian den Feldzuggegen Galiläa eröffnet«, in einer großen Volksversammlung diese undsogar seinen eigenen Vater angeklagt, daß sie eine heimliche Ver-schwörung augezettelt hätten, um in einer Nacht die Stadt in Brandzu stecken (o. S. 464). Einige Zeit später, als Muciauus nach Romgezogen war, um Vespasians Sache gegen Bitellius durchzusetzen, undein Teil von Antiochien in Flammen aufgegangen war, klagte aber-mals der Abtrünnige die Judäer der Brandstiftung an, und nur mitMühe gelang es dem Stellvertreter des Statthalters, namens Collega,die Wut der Antiochenser gegen sie zu dämpfen. Die Untersuchungergab die Unschuld der Judäer"). Indessen war ein fanatischer Haßgegen sie in Antiochien geschürt.

*) Jos. jüd. Krieg VII, 3, 3: vv 31 xa-pov o »Vtxkx^vxr»

. .. -ro 31 xar« 77V7V 'laobalaiv 7s«p« Hx/r«dk /Uaoe.

2) Das. 3, 34. Die Zeit der ersten Anschuldigung durch Antiochos fiel(das. 3) in die Zeit, als Vespasian in Syrien landete, d. h. in das Frühjahr 67.Beim Sabbatzwang ist angegeben, orparrwras Tiagä ro ö 7 //,,-.«Zwx.

Das kann nur Mucian gewesen sein, welcher zu gleicher Zeit mit Vespasian dieHegemonie über Syrien erhielt ( 0 . S. 495). Die zweite Anklage muß später er-folgt sein, da Jos. (das. 4) bemerkt: Cäsennius Pätus, von Vespasian zum Statt-halter von Syrien designiert, war noch nicht eingetroffen, daher nur ein Legat,IVo-lo? die Untersuchung geführt habe. Sie muß also nach Mucians

Abreise erfolgt sein 6970.