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Geschichte der Juden.
herbei. Der Widerstand hatte aufgehört. Er befahl den Brand zulöschen. Seine Stimme wurde nicht gehört^). Die wütenden Soldaten
1) Ich kann Jakob Bernays' Annahme durchaus nicht zustimmen, daß, ab-weichend von Josephus' Darstellung (jüd. Krieg VI, 4, 3), und in allzugroßemVertrauen auf die Darstellung des Mönches Sulpicius Severus, Titus selbst dieZerstörung des Tempels beschlossen habe (wissenschaftliche Beilage zum Jahres-bericht des Breslauer jüv. theol. Seminars 1861, S. 48 ff.). Der Grund, denSulpicius dafür angibt, klingt durchaus mönchisch und keineswegs taciteisch:„damit durch die Zerstörung des Tempels der Judäer und auch der Christen Glaubeausgerottet werde. Denn diese Religionen, obwohl einander entgegengesetztund feindlich, sind von denselben Urhebern ausgegangen. Die Christen sindaus den Judäern entstanden. Sei erst die Wurzel (die Judäer) weggeschafft,so werde auch der Stamm (Christen) untergehen, contra alii st Titus
iyss svsrteuäum imyrirnis tsinylnm censsbant, guo ylenins flullasorum stObristiauornin religio tollsretur. (jnipys bas religlones, liest eontrariassibi, iisäsm tarnen ab auetoribus prolsotas; Obristianos ex flnäaeis sxstitisss,raclics snblata, strrysin laeils psrituranr". Das alles soll Titus geltend ge-macht haben, er, dem die winzige Christengemeinde kaum dem Namen nachbekannt war! Man braucht sich bloß die Worte anzusehen, um sogleich darindie Expektoration eines Mönches zu finden. So etwas kann Titus unmöglichgesprochen, und Tacitus kaum geschrieben haben. Schon ein älterer Editor desS. Severus machte die Bemerkung dazu: Los eum vsro non eonvenit . . .anetor sx inKsnio ünxit. Wenn Titus die Zerstörung des Tempels beschlossenhätte, so brauchte er sich dessen in den Augen der Römer, die im allgemeinende» Judäern nicht freundlich gesinnt waren, nicht zu schämen. Er hatte aberim Gegenteil Interesse, ihn zu schonen, weil er seiner Geliebten, der frommenjudäischen Prinzessin Berenice damit gefällig sein wollte. Dazu kommt noch,Laß Leon Renier (a. a. O., oben S. 532) durch scharfsinnige Kombinationennachgewiesen hat, daß die Aufzählung der Mitglieder des Kriegsratcs unterTitus nach der Abstufung ihrer Chargen von Josephus das. (4, 3) äußerst genauund authentisch ist. Josephus kann also diesen Vorgang nicht erdichtet haben.Ferner haben Vespasian selbst und Titus „Erinnerungen" an den judäischenKrieg geschrieben (v.-ro^vix,,«r« Vita 65 bis; contra .4piunein I, lO). In diesenmuß doch auch etwas über den Tempelbrand vorgekommen sein. Es ist dochaber undenkbar, daß, falls Titus darin erzählt haben sollte, er habe die Zer-störung des Tempels gewünscht, Josephus ihm den entgegengesetzten Wunsch inden Mund gelegt haben sollte und zwar in einer Schrift, die er Titus zu lesengegeben (das.). — Auch de Saulcy (Iss äeruiers sours üs flerusalsin, y. 374)hält Sulpicius Severus' Angabe für unhistorisch. Er macht mit Recht dagegengeltend, oaß, selbst wenn die Stelle aus Tacitus geflossen sein sollte, dieseZeugenschaft von einem, der beinahe 30 Jahre später schrieb, zurücktretcn mußgegen Josephus' Augenzeugenschaft, der darüber in Rom schrieb, als noch alledie Generale lebten, deren Votum bezüglich des Tempels er mitteilt, und dieihn hätten dementieren können. Auch diesen hat er sein Buch übergeben. Kurz,wenn Josephus auch an anderen Stellen aus Liebedienerei manche Tatsachenfalsch dargestellt hat, muß dieser Bericht doch als historisch angenommen werden.(Dennoch scheint Bernays, dem u. a. auch v. Gutschmid, Harnack, Niese, Peter undSchiller zustimmen, im Rechte zu sein. Vgl. die Literatur über die Streitfragebei Schürer I", S.,631, Anm. I15j.