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3. Geschichte der Judäer von dem Tode Juda Makkabi's bis zum Untergange des judäischen Staates 2 (1906)
Entstehung
Seite
539
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Titus' Eindringen in das Allerheiligste des Tempels. 53!)

Die Römer hatten indessen die Belagerungsmaschinen gegen dieAußenwerke des Tempels ausgestellt und sechs Tage lang (28. Ab)unaufhörlich gearbeitet, ohne die Mauern erschüttern zu können. EinenSturm, bei dem sie versuchten, auf Leitern die Mauer zu erklettern,schlugen die Judäer zurück und stürzten die Kletternden von derMauer in die Abgründe. Da gab Titus den Plan ans, den Tempelzu schonen, und ließ an die Tore der äußern Ringmauer des TempelsFeuer legen, das einen ganzen Tag und die folgende Nacht wütete.Dann befahl er wieder, den Brand zu löschen und einen bequemenZugang für die Legionen zum Angriff zu bahnen. Zugleich rief ereinen Kricgsrat zusammen, in welchem beschlossen werden sollte, wasmit dem Heiligtume geschehen solle. Der Rat bestand ans sechs derhöchsten Anführer: Tiberius Alexander, der den Oberbefehl hatte,Sextns Cerealis, der wegen seiner Kriegstaten zum Führer derfünften Legion (iAaoocloiüoa) befördert worden war, Larcius Lepidns,dem Führer der zehnten Legion (k?rsionsis), Tittins Frugi, demFührer der fünfzehnten Legion (Apollinaris), Haler uns Fronto,dem Führer eines Teils der zwölften Legion (I?ulminata) und endlichMarcus Antonius Julia uns, der zum Landpsleger über Judäaernannt war, und dazu noch ans einigen Tribunen und Obersten.Einige hielten es für richtig, den Tempel zu zerstören, weil er immerein Herd der Aufstände bleiben werde; Titus dagegen sprach sich ent-schieden für dessen Erhaltung ans. Ans ihm sprach die PrinzessinBerenice, der er sich gefällig zeigen wollte. Da sich auch Alexander,Cerealis und Fronto für Schonung erklärten, so wurde beschlossen,den Tempel zu erobern, aber ihn nicht zu zerstören. Gewiß hatteauch Agrippa Einfluß ans diesen Beschluß; denn durch die Erhaltungdes Tempels hatte er die Aussicht, vermöge seiner Verbindung mit demneuen Kaiser, König des neu restaurierten Gemeinwesens von Judäazu werden. Tags darauf (9. Ab) machten die Judäer wieder einenkühnen Ausfall, wurden aber von der Überzahl der Feinde zum Rück-züge genötigt. Endlich schlug die Stunde des Unterganges, die in demAndenken der Nation eine düstere Trauer ans Jahrtausende hinaushinterließ. Die Belagerten machten am 10. Ab (August) einen neuenAusfall gegen die Römer, wurden aber znrückgeworfen und verfolgt.In dieser Verwirrung ergriff ein Römer ein brennendes Holzscheit,ließ sich von einem Gefährten in die Höhe heben und warf es durchdas sogenannte goldene Fenster in den Tempel. Das Holz der Tempel-hallen fing Feuer und wälzte den Brand mit Windeseile in die benach-barten Räume, aus denen bald Flamme» in die Höhe schlugen. Bei diesemAnblicke wichen auch die Mutigsten zurück. Titus eilte mit den Truppen