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3. Geschichte der Judäer von dem Tode Juda Makkabi's bis zum Untergange des judäischen Staates 2 (1906)
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Geschichte der Juden.

als jene, welche die aufgeregte Phantasie zu sehen glaubte. Einschwertähnlicher Stern stand über Jerusalem; Helles Licht beleuchtetezur Nachtzeit den Tempel und Altar; ein feuriger Wagen und Reiterbewegten sich in der Luft. Dieses alles sahen die Furchtsamen underblickten darin Zeichen des herannahenden Unterganges. Auch wollteneinige Priester, die nachts in das Tempelinnere gekommen waren, einungewöhnliches Geräusch, wie das einer großen Volksmenge vernommenund den Ruf unterschieden haben:Wandern wir fort von hier!"Das größte und schwerste Tor des innern Tempels, dessen Verschlußsehr mühsam gewesen, soll in einer Nacht sich von selbst geöffnethaben. Am meisten inneres Granen rief ein Unheilsverkünder, Josuaben Anan, hervor, der mehrere Jahre hindurch stets zur Hüttenfest-zeit bei Tag und Nacht in den Straßen mit rauhem und düstermTone laut rief:Stimme von Morgen, Stimme von allen vier Win-den, Stimme über Jerusalem und den Tempel, Stimme über Bräutigamund Braut, Stimme über das ganze Volk!" Drohungen und Strafenfochten den Unheilsverkünder nicht an, er fuhr fort zu rufen:Wehe,wehe über Jerusalem". Vergebens suchten die Machthaber ihn durchGeißelhiebe stumm zu machen. Es war vielleicht derselbe, derWehe,wehe" über die pflichtvergessenen, hohenpriesterlichen Familien gerufenhat, die alle Ämter an sich und die Ihrigen gerissen hatten und dieZehnten durch ihre mit Knütteln bewaffneten Sklaven für sich er-zwangen. Bei der Belagerung traf den Unheilsverkünder einWurfgeschoß st.

Die Verteidiger Jerusalems und die gläubige Bevölkerung warenaber von der unerschütterlichen Überzeugung beseelt, Jerusalem könnenicht in Feindeshand fallen, der Tempel könne nicht untergehen, geradewie zur Zeit Nebukadnezars es unmöglich schien, daß der Feind inJerusalems Tore eindringen werde. Schlichte begeisterte Männer ver-kündeten: der Tempel könne nicht fallen, der Himmel werde für seinebedrohte Stadt und sein Heiligtum ein Wunder geschehen lassen, welchesalle Anstrengung der Feinde zu Schanden machen werdest. Schienen

gegenüber in den Mund, den Judäern folge bei ihren Hinterhalten das Glückwegen ihres Gehorsams und ihres Wohlwollens und ihrer Treue gegen

Daraus geht hervor, daß die judäischsn Kämpfer aller Parteien Friede gehalten-und nicht mit Mißtrauen gegen einander erfüllt waren. Diese Äußerung, magsie Titus ausgesprochen haben oder nicht, widerlegt Josephus' düstere Schilderungvon der mörderischen Zwietracht der Parteien unter einander, selbst währendder Belagerung, aufs bündigste.

st Josephus jüd. Kr. Vk, 5, 3. Vergl. Note 19.

st Das. 5, 2.