514
Geschichte der Juden.
loten blieben Sieger. Tages darauf begann das Blutgericht derSchreckensherrschaft. Alle diejenigen, die einer Verschwörung verdächtigwaren und alle, die sich an dem Kampfe beteiligt hatten, wurden her-vorgesucht und gewiß nicht ohne Verhör hingerichtet. Die Reihe er-öffnten Anan und Josua ben Gamala. Gegen den erster» warendie Zeloten mit Recht am meisten erbittert, weil er einen Teil derJerusalemer zu den Waffen gerufen und den Bürgerkrieg entzündethatte. Josua ben Gamala war längst verdächtig, da er mit Josephusin geheimer Verbindung gestanden und zuletzt den Jdumäern die ToreJerusalems verschlossen hatte. Die Erbitterung gegen diese beidennicht allzuwürdigen Hohenpriester war so gewaltig, daß ihre Leichnameunbeerdigt blieben, als Speise für die Hunde. Der sadduzäische Hohe-priester Anan, welcher mehrere Jahre vorher erbarmungslos verfolgte(o. S. 443), fand seinerseits schonungslose Richters.
Mit dem Tode dieser beiden Ratsmitglieder und wohl auch einigerihrer Gesinnungsgenossen war das beim Ansbruch der Revolution ein-gesetzte Synhedrion gesprengt. Es scheint, daß die Zeloten damals einneues zusammengesetzt haben, nicht mehr aus hohenpriesterlichen undaristokratischen, sondern aus demokratischen Elementen; es zählte eben-falls siebzig Mitglieder^). Was aus dem Vorsitzenden und Leiter
kann dieses Ereignis nur im Adar stattgesunden haben. Damit stimmt, daßJosephus daraus die Bewegung der Sicarier erzählt, und zwar zur Passah-Zeit (das. IV. 7, 2). Im Monat Xäar — ließ Vespasian den
persischen Feldzug eröffnen ldas. 7, 3.)
i) Es kann kein Zweifel darüber obwalten, daß der Ananos, SohnAnanos', welcher mit Simon ben Gamaliel in den ersten zwei Jahren derRevolution eine Rolle gespielt hat und beim Eindringen der Jdumäer seinenTod fand, identisch ist mit dem, welchen Josephus (Altert. XX, 9, l) schildert:Apowoe vov r(n>7ro>- In j. Kr. IV, 3, 9 nennt
er den, welcher das Volk gegen die Zeloten aufstachelte, Anauos, SohnAnanos', also gerade so wie den Hohenpriester zur Zeit Albinus'. Freilich imjüd. Kr. schildert er ihn ganz anders, um recht grelle Farben für die Ver-worfenheit der Zeloten auftragen zu können: Ananos sei der ehrwürdigste,gerechteste Mann und ein Freund der Gleichheit auch für die Niedrigen gewesen.Aber, als wollte Josephus selbst seine Wahrheitsverdrehung dokumentieren,sagt er hier von Anan aus: er habe stets seinen Vorteil dem allgemeine»Besten hintangesetzt, während er in der etwa zwanzig Jahre später verfaßtenVita erzählt, Ananos habe sich durch Bestechung bestimmen lassen, seine Meinungaufzugeben (vito. 39). Das Richtige über Anans Charakter wird wohl dasjenigesein, was Josephus in der Vita und in den Altert, berichtet, wo er ihn alskeck, gewalttätig und grausam schildert. Die Anfachung des Bürgerkrieges inJerusalem ist nur ihm zur Last zu legen.
") Folgt aus jüd. Kr. IV, 5, 4: cföo/k/xovr»
rill» kV rt'-.-k ö^orwv. Josephus will zwar damit sagen, daß ein Gerichtshoffür den einzigen Fall, den Prozeß des Zacharia b. Baruch zusammenberufen