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Geschichte der Juden.
sich in die Gemüter der Ultrazeloten ein, sie betrachteten alle die-jenigen, die nicht für die äußersten Maßregeln waren, als Verräter.Sie erinnerten sich, wie sie bei der Wahl der Führer für die ver-schiedenen Landesteile übergangen, wie die wichtigsten Posten mitMännern besetzt worden waren, deren zweideutige Haltung jetzt durchden Erfolg nur allzusehr an den Tag kam. Besonders Eleasar benSimon, ein Mann von Scharfblick und Tatkraft, jetzt Führer derZeloten r), der noch dazu den Staatsschatz in Händen hatte, hegteeinen tiefen Groll gegen das Synhedrion, das ihn, den mutigen rast-losen Patrioten, zur Untätigkeit verdammt hatte. Wer saß im Syn-hedrion? Josephus' Gesinnungsgenosse und Freund, Josua ben Ga-mala, der nichts getan hatte, um den Abgeordneten für Galiläa, alsdessen Winkelzüge nicht mehr zweifelhaft waren, zu entsetze» ?). Werwar der Schatzmeister? Antipas, ein Herodianer, ein naher Ver-wandter des Königs Agrippa. Antipas unv seine Verwandten, Leviaund Sophas, verhehlten nur mit Mühe ihre römerfrenndliche Ge-sinnung Werden das Synhedrion und die Herodianer nicht bei derAnnäherung der Römer ihnen die Tore der Stadt öffnen, im Staubeum Verzeihung flehen und die Urheber des Krieges der Rache derRömer ausliefern? Das war die herrschende Stimmung der Zeloten,und sie glaubten sich stark genug, den Gemäßigten oder heimlichenRömlingen die Regierung ans den Händen zu winden und den Kriegmit krampfhafter Anstrengung ungehindert fortführen zu können. Mandarf nicht vergessen, daß diese Zeloten nicht Räuber und Mordbrennerwaren, sondern in ihren Reihen angesehene Bürger und Glieder despriesterlichen Adels zählten. Der Führer Eleasar ben Simon hatteeinen Kollegen an Zacharias ben Am phikalos (oder Abkalos),ebenfalls aus einem angesehenen priesterlichen Hause von der strengenSchammaitischen Schule^). Zu ihnen hielten Juda ben Chelkia,Simon ben Ezron und Ezekia ben Chabron aus adligen Ge-schlechtern ö).
Die Spannung zwischen den jernsalemischen Zeloten und der ge-mäßigten Synhedrialpartei steigerte sich von Tag zu Tage und erzeugteeine Schreckensherrschaft, wie sie in einem Kriege ans Tod und Leben,wo der Politische und religiöse Fanatismus durch Argwohn genährtwird, nicht ausbleiben kann. Die Zeloten wagten einen Streich, dereine blutige Spaltung zum Ausbruche brachte. Sie überfielen die-jenigen Personen, welche vermöge ihrer Verwandtschaft mit dem
*) Jüd. Krieg II, 20, 3; IV, 4, 1.
2) Vergl. das. vita 38, .11. °) j. Kr. IV, 3, 4.
ch Vergl. Note 29. °) Josephus jüd. Krieg V, 1, 2.