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Geschichte der Juden.
Das Heer aus römischen Kerntruppen und Bundesgenossen be-stehend, mit welchem Vespasian die judäische Revolution dämpfenwollte, betrug über 50,000 Mann, außer dem zahlreichen Trosse, derdem Heere zu folgen Pflegte. Erst im Frühjahr war die Rüstungvollendet, und der Feldzug begann mit der Aussendung kleiner Truppen-körper, welche die Straßenzüge zu den festen Plätzen Galiläas vonden judäischen Strcifscharen säubern sollten. Vespasian, vorsichtigerals sein Vorgänger Cestius, unternahm den Krieg nicht mit Ungestüm,sondern führte ihn von Anfang bis zu Ende mit jener zauderndenBedächtigkeit, die dem Feinde Schritt für Schritt Boden abzugewinnensucht. Er ließ zunächst das treugebliebene Sepphoris besetzen, undvon hier aus zog die römische Reitervorhut unter Placidus in derNachbarschaft umher, zerstörte Städte und Dörfer und erfüllte dieganze Gegend mit Brandstätten. Josephus vermochte mit seinenScharen nicht Stand zu halten, sondern zog sich immer weiter zurück.Wo er den Kampf aufnahm, erlitt er schimpfliche Niederlagen, weilseinem Heere die Zuversicht fehlte, die nur ein hingebender Feldherreinznflößen vermag. Sein Heer zerstreute sich daher in der Regelbeim ersten Anblicke des Feindes^). Von einem ganz andern Geistewaren diejenigen Galiläer beseelt, die Johannes von Gischala ent-flammt hatte. Sobald sich Placidus Jotapata näherte, griffen ihn dieEinwohner dieser Stadt mit Ungestüm an, und obwohl sie die ge-schlossenen Reihen der Römer nicht durchbrechen konnten, kämpftensie dennoch so tapfer, daß sie die römische Vorhut in die Fluchtschlugen^). Was hätte Galiläa vermocht, wenn es so viele Kriegeraufgestellt hätte, als es Jünglinge und Männer hatte, und von einemerfahrenen, mutigen, hingebenden Feldherrn geführt worden wäre!Doch es war geteilt, geschwächt, entmutigt uud mußte am Ende dieBeute des Siegers werden.
Vespasians Feldzugsplau war darauf berechnet, zuerst Galiläazu unterwerfen, um nicht auf dem Zuge nach Judäa gegen die Haupt-stadt einen verwegenen Feind im Rücken zu haben. Das römische Heermarschierte daher auf die nordgaliläischen Festungen zu, namentlichgegen Gabara und Jotapala. Das erste, von Mannschaft entblößt,war bald eingenommen und verbrannt. Die ganze Bevölkerung vonGabara ließ Vespasian als Sühnopfer für die Niederlage der Römervor Jerusalem über die Klinge springen^). Alle kleinen Städte undDörfer der Umgegend traf dasselbe Los, die Bewohner wurden hin-
st Jüd. Krieg III, 4, I; 6, 1—3. ?) Das. 6, 1.
3) Das. 7, 1; es muh aber statt gelesen werden wie
schon Roland emendiert hat (?alas8biua 77l) svgl. auch Ko hont a. a. O. S. 626j.