Druckschrift 
3. Geschichte der Judäer von dem Tode Juda Makkabi's bis zum Untergange des judäischen Staates 2 (1906)
Entstehung
Seite
463
Einzelbild herunterladen
 

Der Sieg und die Siegesmüuze.

463

Zeloten gegen die römische Kohorte in Jerusalem überfielen dieGriechen und Syrer Cäsareas, ohne Zweifel auf seine Weisung, dieJndäer, welche wieder dahin zurückgekehrt waren. Es muß ein grauen-erregendes Gemetzel dabei vorgekommen sein, da mehr denn 20 000Jndäer umgekommen sein sollen, und diese sich Wohl nicht ohne Gegen-wehr haben abschlachten lassen. Cäsarea behielt nicht einen einzigenJndäer. Die Flüchtlinge ließ Florus einfangen, in Fesseln schlagenund als Galeerensklaven ans Schiffe verteilen ^). Diese Stadt bildeteauch diesmal das Vorspiel für das Los, das der Hauptstadt bereitetwerden sollte. Das beispiellose Gemetzel versetzte die ganze BevölkerungJudäas in fieberhafte Aufregung und steigerte ihren Haß gegen dieHeiden bis zum Wahnsinne. Es bildeten sich überall wie auf gemein-same Verabredung Freischaren, welche die heidnischen Bewohner über-fielen, niedermachten, ihre Häuser verbrannten und ihre Güter zer-störten 2). Solche blutige Streifzüge forderten wiederum die Heidenin Judäa und Syrien zur Selbstverteidigung und Rache heraus. VonTiberias aus machten jndäische Jünglinge Einfälle in die Nachbar-städte Gadara, Hippos und andere, die zur Dekapolis gehörten, tötetendie Griechen, die in ihre Hände gefallen waren, verbrannten dieDörfer und drangen racheschnaubend bis Skythopolis^) vor. Soüberfielen ihrerseits die Heiden ihre judäischen Mitbewohner, wo diesein der Minderzahl waren, und machten sie nieder. Mehrere jndäischeund syrische Städte waren infolgedessen in zwei Parteien gespalten,die sich am Tage unerbittlich befehdeten und bei Nacht in Furcht voreinander auf der Lauer lagen. Auch die dem Judeutume Zugeneigten(die Judaisierenden) wurden den Feinden verdächtig. In manchenStädten waren Leichen angehäuft, die unbeerdigt blieben^). Es warein Religionskampf, wie er in dieser Ausdehnung im Altertums sonstnicht vorgekommen ist. Die Beute, die der syrische und griechischePöbel aus den Häusern der Jndäer wegschleppte, reizte seine Habsuchtzu immer neuen Plünderungen. Auf diese Weise wurden die Jndäerin Askalon, Ptolemals und einigen peräischen Städten Hippos undGadara beraubt, getötet oder zu Sklaven gemacht. Nur die heidnischenEinwohner von Sidon, Apamea und Antiochia ließen ihren judäischenMitbürgern Ruhe, weil sie ihnen an Zahl weit überlegen waren undnichts von ihnen zu fürchten hatten^).

1 Jüd. Krieg II, 18, 1. 2 ) Das

°) Vita 9. 12. 65. 74.

Jüd. Krieg II, 18, I2. 5.

5) Josephus' Darstellung über die Gemetzel von und an Judäern in einigenStädten das. 18, 1 und 5 ist sehr verworren.