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Geschichte der Juden.
rieten in Gefangenschaft; die Häuser der Reichen wurden geplündertund zerstört. Bei dem Anblicke des Blutbades und der Zerstörungbeeilten sich die angesehensten Judäer Cäsareas, die um ihre Habebesorgt waren, Unterwürfigkeit gegen den Landpfleger an den Tag zulegen; darauf ließ derselbe die Truppen zurückziehen ^). Die eigentlicheStreisache war aber dadurch nicht entschiede»; beide Teile waren durchdas vergossene Blut nur noch erbitterter geworden und schickten Ab-geordnete nach Rom, den Kaiser Nero als Schiedsrichter anzurufen.Da damals die cäsareensische» Syrer den Geheimschreiber des Kaisers,Bnrrus (oder Beryllusj, durch Bestechung für sich zu gewinnenwußten, so entschied der Kaiser zum Nachteile der Judäer, und siebüßten ihre Gleichstellung ein -). Diese ungerechte Entscheidung ver-mehrte die Gereiztheit des Volkes gegen Rom und veranlaßte späterden ersten Ansbruch des Aufstandes gegen die römische Gewaltherr-schaft. Felix wurde indessen wegen seiner parteiischen Einmischung indie Streitsache der Cäsarcenser abberufen <um 59).
Die Landpflegerschaft des Festus, Felix' Nachfolgers, dauertenur kurze Zeit (um 59 bis 61). Die Lage hatte sich nicht verändert,womöglich noch verschlimmert. Die Sicarier trieben ihr Unwesenweiter fort, und der neue Landpfleger mußte einen Vertilgungskrieggegen sie führen. Ein neuer messianischer Schwärmer weckte dieHoffnung aus Befreiung und Heil, sammelte Anhänger und teilte dasLos seiner Vorgänger^). Die gegenseitige Beargwöhnung nahm immermehr zu. Der König Agrippa II., der endlich seine Residenz in Jeru-salem aufgeschlagen hatte, erhöhte den dem Tempel gegenüberliegendenHasmonäerpalast noch mehr, um von diesem hohen Standpunkte aus diefreie Aussicht auf Alles, was in den Tempelvorhöfen vorging, zuhaben und von seinem Speisezimmer aus jede Bewegung überwachenzu können. Er mochte ahnen, daß eine Verschwörung im Anzuge sei,deren Herd der Tempel sein werde, und wollte sich nicht davon über-raschen lassen. Die Vertreter des Tempels beklagten sich aber darüber,daß Agrippa sich Eingriffe in die Tempclprivilegien angemaßt habe;es sei keinem Laien gestattet, zu jeder Stunde seinen Blick in dieTempelräume zu werfen. Sie ließen daher an der Westseite eine hoheMauer aufrichten, um die Aussicht vom Palaste zu verdecken. Damitwaren wieder Agrippa und der Landpfleger nicht zufrieden und wolltendie kaum vollendete Mauer wieder niederreißen lassen; es kam zumerbitterten Wortwechsel, bis beide Teile, besonnen genug, dem Kaiser
*) Josephus Altert. XX, 8, 7; jüd. Krieg II, 13, 7.
°) Das. Altert. 8, 9.
») Das. XX, 8, IV.