Druckschrift 
3. Geschichte der Judäer von dem Tode Juda Makkabi's bis zum Untergange des judäischen Staates 2 (1906)
Entstehung
Seite
438
Einzelbild herunterladen
 

438

Geschichte der Juden.

zu Philipps Tetrarchie gebört hatten: Batanäa, Ganlanitis, Anranitis,Trachonitis, auch Paneas und Abilcne (53) Z; dagegen verlor er seinFürstentum Chalkis, mit dem er früher belehnt war. Das eigentlicheJudäa hielt aber Rom so fest umklammert, daß es an der Spitzedesselben einen judäischen Fürsten, wenn er auch noch so sehr gezähmtund gefesselt war, nicht dulden mochte.

Die Vorgänge unter Cumanus und die dadurch veranlaßte heftigeVerbitterung der Samaritaner gegen das judäische Gemeinwesen nötigtendas Synhedrion eine durchgreifende Veränderung in der Kundmachungdes Festkalenders vorznnehmen. Die Hauptfestzeiten das Passah-fest im Beginne des Frühlings, das Wochenfest fünfzig Tage späterund die drei Feste zu Ende des Sommers, (Posaunenfest, Versöhnnngs-tag und Hüttenfest) waren veränderlich und abhängig von demNeumonde. Denn die Judäer zählten nach Mondjahren, und nurwenn der Frühling sich verspätete, wurde ein Monat zur Ausgleichungdes Mondjahres mit dem Sonnenjahre eingeschaltet. Der Monatsollte mit der Sichtbarkeit des ersten Streifens des Mondwechsels be-ginnen, welche von Zeugen wahrgenommen und vor dem Synhedrionoder dem Vorsitzenden durch ein strenges Verhör sicher festgestelltwurde. War so der Tag des Neumondes bestimmt, so wurde er amAbend vermittelst Bergfeuer dem ganzen Lande und auch darüber hinauskundgegeben. Von Bergspitze zu Bergspitze wurden mit Brennstoffenumwickelte lange Cedernstangen so lange hin und her geschwungen,bis das Zeichen auf der nächsten Spitze wahrgenommen und weitergegeben wurde. So Pflanzte sich das Feuerzeichen fort vom Ölbergbei Jerusalem bis zur Kuppe Sartaba (Alexandrion), von da biszum Tabor, dann auf eine Höhe Grnphina, dann jenseits des Jordanszum Gileaditischen Gebirgszuge von Machärns im Süden, bis nachGadara im Norden. Von diesen ans wurde das Bergfeuer auf demhohen Gebirge Hanran wahrgenommen und für die nächste Anhöhe,Bet-Beltin (Bairam), angezeigt, die in der Nähe des Euphrat lag,wodurch auch die babylonischen Gemeinden den Monatsanfang zugleicher Zeit mit den jndäischen erfuhren und ihrerseits von Stadt zuStadt durch helllodernde Fackelfener knndzumachen pflegten. Vondiesen durch Bergfener angekündigten Monatsanfängen zählten dieGemeinden Judäas, Babyloniens und vielleicht auch Syriens die Tagebis zu dem bestimmten Tage, an welchem das Fest begangen werdensollte. Diese Zeichen für den Festkalender, welche die judäische Be-völkerung an der Scheide zwischen dem abgelausenen und eintretenden

') Jos. das. 7, I; jüd. Krieg II, 12, 8.