Druckschrift 
3. Geschichte der Judäer von dem Tode Juda Makkabi's bis zum Untergange des judäischen Staates 2 (1906)
Entstehung
Seite
436
Einzelbild herunterladen
 

436

Geschichte der Juden.

Scharen strömten zn Cumanus nach seiner Residenz Cäsaren, schrieenneuerdings über Gotterlästernng,sie könnten weit eher ihren Unter-gang als die Entweihung ihrer heiligen Schriften ertragen", und ver-langten den Tod des Schuldigen. Der Landpfleger gab diesmal aufden Rat seiner Freunde nach und ließ den Soldaten in Gegenwartder Verletzten hinrichten Z.

Einen ernstern Charakter nahm ein dritter Vorfall unter Cnmannsan und führte zu blutigen Reibungen. Von den Galiläern, welchezum Feste nach Jerusalem durch Samarien zogen, wurden mehrere^)in der Stadt Ginäa (am südöstlichen Ende der Ebene Jesreel) vonfeindlichen Samaritanern in einem Handgemenge ermordet. War derMord ans einer zufälligen Veranlassung oder infolge der herrschendenGehässigkeit zwischen den Judäern und Samaritanern entstanden? Indem einen wie in dem andern Falle waren die Vertreter der galiläischenGemeinden berechtigt, von dem Landpfleger strenge Gerechtigkeit gegendie Mörder zu verlangen. Aber Cnmanns behandelte die Sache mitunerhörter Gleichgiltigkeit und zwang die Jndäer zur Selbsthilfe. DieZelotenführer Eleasar ben Dinar und Alexander, von den Galiläernund auch von Felix, dem Landpfleger von Galiläa, anfgestachelt, nahmendie Sache in die Hand, überfielen mit ihrer Bande den von denSamaritanern bewohnten Landstrich Akrabatene und mordeten undplünderten ohne Schonung und Erbarmen. Auf die Klage derSamaritaner über den gestörten Landfrieden gestattete ihnen Cumanussich zu bewaffnen und sandte ihnen römische Truppen, unter ander»auch die judenfeindlichen Gebastener (o. S. 359), zu Hilfe, die wiederumunter den Zeloten ein Blutbad anrichteten.

Diese so offenkundige Parteilichkeit des kaiserlichen Abgeordnetenregte das Volk von Jerusalem so sehr auf, daß es, von einem an-gesehenen Manne Dortos und andern aufgestachelt, auf dem Wegewar, Cnmanns'Truppen anzngreifen und Verwickelungen herbeizuführen,die vielleicht die Katastrophe um zwanzig Jahre beschleunigt hätten,wenn nicht die angesehensten Männer Jerusalems, erschreckt über dieunabsehbaren Folgen einer solchen Widersetzlichkeit gegen die römischenWaffen, den Kampf zn Hintertreiben gesucht hätten. In Trauer-gewänder gehüllt, beschworen sie die aufgeregte Volksmenge, die Zukunftnicht aus den Augen zn verlieren und lieber Unbill zn ertragen, alsden unvermeidlichen Untergang des Gemeinwesens und des Tempels

Z Jos. Altert, das. 5, 4; jüd. Kr. das. 12, 2.

2) Die Angabe, daß nur ein einziger Galiläer ermordet worden sei (jüd.Kr. II, >2, 3) berichtigt Joscphus selbst in den Altert. XX, 6, 1, wo er vonvielen ermordeten Galiläern spricht.