Die hohenpriesterlichen Familien.
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einzige Einfluß, den Kaiser Claudius oder vielmehr seine Räte, demTitularkönig gelassen, und den sein Nackffolger bestätigt hat, war dieAufsicht über den Tempel und die Ernennung der Hohenpriester st.Rom konnte keinen ergebenern Geschäftsführer wählen. Agrippa sahauch bei der Ernennung der Hohenpriester nicht ans die sittliche undreligiöse Würdigkeit, sondern einzig und allein ans deren Gesinnunggegen Rom. Derjenige, der am weitesten in der Kriecherei und Ver-leugnung des Nationalgefühles ging, oder der die größte Summe bietenkonnte, erhielt den Vorzug. Ju kaum zwei Jahrzehnten setzte Agrippamindestens sieben Hohenpriester ein, unter ihnen Anania (SohnEleasars?), der einen außerordentlichen Reichtum ererbt oder erworbenbatte, damit die Bestechlichen für sich gewann und sich Gesetzlosigkeitund Gewalttätigkeit erlauben durfte 2).
Seitdem das Hohepriestertum durch Herodes so entwürdigt war,daß es durch Käuflichkeit und niedrige Gesinnung erworben werdenkonnte, gab es Familien, die gewissermaßen ein Anrecht auf dasselbehatten: die Familien Bosthos, Kantheras (Kathras), Phiabist,Kamith und Anan; nur selten fiel die Wahl ans einen, der nichteinem dieser Geschlechter angehörte. Die Glieder dieser hohenpriester-lichen Familien wetteiferten meistens miteinander an Gesinnungslosig-keit und Niedrigkeit; öfter brach die gegenseitige Eifersucht in Tätlich-keiten aus, und die Straßen von Jerusalem sahen zuweilen, wie dieAnhänger der feindlichen Häuser aufeinander losschlugeu und sich mitSteinen warfen st. Jeder erwählte Hohepriester suchte für die Dauerseiner Tätigkeit sein Amt möglichst auszubeuten und beförderte seineVerwandten und Freunde zu einträglichen Tempelämtern, wobei erwenig ans deren Würdigkeit achtete. Mit solcher Frechheit verfuhrendie regierenden Hohenpriester, daß sie ihre Sklaven, mit Knitteln be-waffnet, in die Tennen schickten, um die Zehnten, die jeder beliebigverteilen konnte, gewaltsam für sich einziehen zu lassen. Eine Folgedavon war, daß diejenigen Priester, die nicht so glücklich waren, zurVerwandtschaft der Hohenpriester zu gehören, ihrer Nahrungsquelleberaubt wurden und in drückende Armut gerieten"). Habgier, Herrsch-sucht und Gesinnungslosigkeit waren die Triebfedern der Handlungenderer, welche berufen waren, das Ideal der Sittlichkeit zu verwirk-lichen"); der Tempel war durch seine Würdenträger geschändet, ehe
r) Jos. Altert. XX, 9, 7.
°) Das. 6, 2; 9, 2—4. Vgl. Note 19.
st lossxbts lllsnsoliot XIII, 21, und b. kssaoliim 57 s..
st Jos. Altert. XX. 8, 8; 9, 4.
st Das. 8, 8; 9, 2. Vergl. Note 19. st Josephus jüd. Krieg VII. 8, 1.