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Geschichte der Juden.
griechische Bildung und griechischer Geschmack heimisch waren, suchtedieser Prediger seine Zuhörer vom Gegenteile zu überzeugen, daß derdurch die Religion des Judentums erzogene und gefestigte Vernunft-Wille wohl imstande sei, die Triebe und Leiden-
schaften zu beherrschen. Ausgerüstet mit der feinen Kunstgriechischer Beredsamkeit und dnrchglüht von dem Feuer tiefer Über-zeugung von der Heilskraft des „Gesetzes" setzte dieser Prediger sieauseinander bald mit trockenen Beweisen des nüchternen Verstandes,bald mit schwungvollen Redewendungen und kam immer ans seinenAusgangspunkt von der Allmacht des Vernnnftwillens zurück. Erbenutzte dazu, wie es scheint, das Fest der Tempelweihe (Obanuülrn),und knüpfte an den heldenhaften Tod des Greises Eleasar und derMutter mit ihren sieben Söhnen (II. B., S. 317) in der Makkabäer-zeit seine Beweisführung, daß der Vernunftwille stark genug sei, umTodesqualen zu überwinden, und nm so eher die fleischlichen Triebemit dem Hinblicke auf das göttliche Gesetz zu bemeistern. Als Gottden Menschen schuf und ihn mit der Sprache und Willensfreiheitschmückte, Pflanzte er ihm auch Triebe und Seelenstimmnngen ein,setzte aber auf den Thron die Vernunft, welche die Sinneswahr-nehmung leitet." Ihm gab er auch das Gesetz, und wenn er sich vondiesem bestimmen läßt, vermag er eine besonnene, gerechte, gnte undkräftige Herrschaft anszuüben^). Schnurstracks entgegen der panli-nischen Lehre, daß das Verbot des Gelüstes erst diesen Trieb geweckthabe, stellte die Predigt auf^): Unser Gesetz sagt: „Du sollst nichtbegehren das Weib des Nächsten, noch Alles, was Deinem Nächstengehört, so gibt es die Überzeugung, daß der Vernnnftwille imstandesei, die Begierden zu beherrschen, so wie alle Triebe, welche die Ge-rechtigkeit hemmen". — „Da wir glauben, daß Gott das Gesetz ge-geben hat, so wissen wir auch, daß der Gesetzgeber es uns unsererNatur angemessen gemacht hat^). Ans der Erzählung von demMärtyrertode der sieben Söhne und ihrer Mutter für das Gesetzfolgert die Predigt: „Wenn nun ein Weib und zwar ein bejahrtes,Mutter von sieben Kindern, beim Anblicke der Folterqual ihrer Lieb-linge standhaft geblieben ist, so muß man zngestehen, daß der von derReligion durchdrungene Vernnnftwille Herr der Triebe werden kann"^).Zum Schlüsse rief der Prediger seiner Gemeinde zu, in welcher sichwohl manche befanden, welche von Paulus' zur Abtrünnigkeit vomGesetze verlockenden Lehre schwankend geworden waren: „O Ihr Nach-ts Viertes Makkabäerbuch o. 3. Vergl. darüber Freudenthal, die Josephusbeigeleqte Schrift über Herrschaft der Vernunft und unten Note 3, Nr. 16.
Das. °) Das. e. 5. ^ Das. e. 16.