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Geschichte der Juden.
Nach kurzem Aufenthalte in Jerusalem trat Paulus seine Be-kehrungswanderung in Begleitung des Cyprers Joss Barnabas an.Von Antiochien aus, wo es viele jüdische Proselyten gab*), und wodie beiden Heidenapostel Gelegenheit hatte», diese und auch heidnischeGriechen zu bekehren, begaben sie sich nach Cilicien, Paulus' Heimats--land, durchzogen Kleinasien und Macedonien, setzten nach Griechenland(Achaia) über, und Paulus' Streben wurde von überraschenden Erfolgengekrönt. Er gründete an vielen Orten griechisch-christliche Gemeinden,besonders in Galatien (in Antiochien, Jkoninm, Lystra, Derbes, in Ephesus,in Philipp!, in Thessalonica und in der Stadt Korinth. Zum Teilkonnte sich das Judentum diese Erfolge zuschreiben,' denn wenn Paulusdie Heiden gewinnen wollte, mußte er einen Teil der so glänzenden Ver-gangenheit des judäischen Volkes anfrollen, um zu Jesus zu gelangen ^s.Er mußte ferner den geläuterten Gottesbegriff dem wüsten Heidentumegegenüber hervorkehren. Empfänglichkeit für die reine Lehre desJudentums fand er unter Heiden vor. Nicht wenige derselben emp-fanden, wie bereits gesagt, Ekel an den mythologischen Götter-geschichten und an der Menschenvergötterung. Noch war in frischemAndenken, wie alle Völker des römischen Reichs in beispielsloser Nieder-tracht dem Scheusal Caligula Altäre geweiht, ihn als Gott anerkanntund zu ihm gebetet hatten. Verzweifelte und reine Gemüter suchteneinen Gott, zu dem sie sich erheben könnten, und fanden ihn nicht.Nun war Paulus gekommen und brachte ihnen diesen, allerdings vonWundergeschichten umgebenen Gott, der aber mit seinein mythologischenAnstriche um so mehr gefiel; „den Sohn Gottes" verstanden die Heidenbesser als den „messianischen Erlöser". Auch die weit verbreiteteKrankheit der llnsittlichkeit, die in Griechenland und im ganzenrömischen Reiche das Tageslicht nicht zu scheuen brauchte, weil sie inRom auf dem Throne saß, die Unzüchtigkeit der Weiber, die Geilheitder Männer, die Knabenliebe, alles dieses bot Paulus Handhaben,die judäische Lehre empfehlenswert und annehmbar zu machen. Wasder alexandrinisch-judäische Geist in Schriften nachgewiesen hatte, in densibyllinischen Versen, im Buche der Weisheit, in den Schriften Philos, daßdie Wurzel der Vertierung unter den Heiden in der Vielgötterei liege,führte Paulus in hinreißenden Predigten vor die Seele heidnischer Zu-hörer: „Sie haben die Herrlichkeit des unvergänglichen Gottes in die Ähn-lichkeit des Bildes eines vergänglichen Menschen, der Vögel, der Vier-is Josephus jüd. Kr. VIl, 3, 3.
2) Vergl. darüber die angebliche Rede Paulus' an die Athener (Apostelge-schichte 17, 22—33), die, wenn auch unecht, charakteristisch dafür ist, wie derAnfang der Heidenbekehrung vor sich ging.