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Geschichte der Juden.
Saulus (geb. in Tarsus in Cilicieu iiu Anfänge der christ-lichen Zeitrechn, starb nm 64?), angeblich vom Stamme Benjamin, wareine eigenartig angelegte Natur. Schwach an Körper und kränklich,war er dennoch von einer Zähigkeit, die vor keinem Hindernisse zu-rückwich. Reizbar und heftig an Seelenstimmung, war er maßlos ein-seitig, eckig, beharrlich und verfolgungssüchtig gegen solche, die seineMeinung nicht teilten oder auch nur um ein geringes davon abwichen.Er hatte nur geringe Kenntnis vom judäischen Schrifttume und kanntedie heilige Schrift nur aus der griechischen Übersetzung *). Zu denFüßen Gamaliels hatte er wohl nicht gesessen^), sonst hätte er gewißmehr Gesetzeskunde und Milde von ihm gelernt. Er wird vielmehrwohl von Winkelgelehrten in Tarsus unterrichtet worden sein. Soeng wie seine Kenntnisse, ivar auch sein Gesichtskreis. Dabei war erschwärmerisch und von Vorstellungen besessen, die er für wirkliche Vor-gänge hielt, und von denen er sich bestimmen ließ. Kurz, Saulusmar zugleich eine krankhafte und eiserne Persönlichkeit, wie geschaffenum Neues zu begründen und das unmöglich Scheinende zu verwirk-lichen. Mit eigensinnigem Feuereifer hatte er die hellenischen Nazaräerverfolgt, sie aus den Schlupfwinkeln gezogen, um sie der Strafe zuüberliefern, weil sie von dem pharisäischen Judentnme, das er für daseinzig wahre und gerechte hielt, abgewichen waren. Das hatte ihmaber nicht genügt. Sobald der tarsische Eiferer erfahren hatte, daßmanche von ihnen sich nach Damaskus begeben hatten, zog er ihnennach, gleichviel ob im Aufträge oder aus eigenem Antriebe, um mitunerbittlicher Verfolgungssucht auch da ihre Gemeinde zu zerstören.Aber Plötzlich wurde er andern Sinnes. In Damaskus waren vieleHeiden znm Judentums übergetreten, namentlich vom weiblichen Ge-schlechts (o. S. 403). Großes Aufsehen hatte die Bekehrung desadiabenischen Königshauses znm Judentume erregt. Saulus warwahrscheinlich Zeuge des Ereignisses ^), wie die Königin Helene mitden adiabenischen Prinzen und ihrem Gefolge zum Triumphe desJndentumes ihren Einzug nach Jerusalem angetreten hatte (o. S. 406).Sic hatte sicher auf ihrer Reise Damaskus berührt und Huldigungenvon der judäischen und proselytischen Bevölkerung dieser Stadtempfangen. Diese Vorgänge haben Ivohl einen tiefen Eindruck auf
Es genügt, um Paulus Bibelkunde zu beurteilen, die Tatsache, daß ereinen Vers aus Jesaia als im Pentateuch geschrieben zitiert (I. Korinthbr. 14,
2) Wie sagenhaft angegeben ist Apostelgesch. 22, 2.
b) Vergl. Note 23, wo nachgewiesen ist, daß Paulus erst in den vierzigerJahren, etwa gleichzeitig mit der Reise der Königin Helene sich zum Christen-tum bekehrt haben kann.