Das junge Christentum.
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tinnen (o. S. 403), wo sie einen weiten Spielraum für Bekehrungenfanden. Die halb oder ganz unwissende Menge lauschte auf die Worteder Sendboten, welche ihnen die Nähe des Himmelreichs der Selig-keit verkündeten, und Vorgaben, daß, um in dasselbe ausgenommen zuwerden, cs weiter nichts bedürfe, als an Jesus, als an den erschie-nenen, gekreuzigten und wiedererstandenen Messias zu glauben und dieTaufe zu nehmen. Alsbald sahen diese beiden Städte eine nazaräischeGemeinde in ihren Mauern, deren Glieder als Judäer galten, aucheine judäische Lebensweise führten, beteten, Psalmen sangen und zumSchluß ans die Lobgesänge das übliche „Amen" sprachen^, aber dochdurch Eigenheiten den Ansatz zu einer neuen Sekte erblicken ließen.Sie kamen zu einem gemeinsamen Mahle zusammen, das sie „Hcrren-mahl" oder „Liebesmahl" (^Zaps) nannten, sprachen den Segenüber Wein, tranken nacheinander aus demselben Kelche, brachen dasBrot zur Erinnerung an Jesu letzte Stunde und gaben einander einenKuß, Männer und Weiber ohne Unterschied^). Dabei traten Einigeauf, welche in Verzückung Weissagungen verkündeten; Andere sprachenin Zungen, ivieder Andere nahmen magische Heilung im Namen Jesuvor oder rühmten sich der Wundertätigkeit ^). Es herrschte eine sounnatürliche Aufgeregtheit und Schwärmerei in diesem hellenisch-naza-räischen Kreise, daß er mit der Zeit dem Gespötte verfallen wäre undden Untergang in Lächerlichkeit gefunden hätte. Noch weniger hättesich das judäische Nazaräertum, das in Jerusalem durch die dreiMänner Petrus, Jakobus und Johannes vertreten war, behauptenkönnen, weil es sich starr an das Hergebrachte anklammerte und dasNeue, welches in Jesu Auftreten lag — von seiner verfehlten messiaui-schen Rolle abgesehen — denn doch nicht zu befruchten vermochte.Kurz, das junge Christentum wäre mit seiner Phantasterei bei seinemersten Ansfluge an der Wirklichkeit zerschellt und hätte, wie die An-hängerschaft anderer Messiasse, einen klanglosen Tod gefunden, wennihm nicht Saulus aus Tarsus eine neue Richtung, eine große Trag-weite gegeben und ihm eben dadurch Lebensfähigkeit und Aufschwungverliehen hätte. Ohne Jesus hätte der Tarser allerdings nicht dieGelegenheit gehabt, weitgreifende Seeleneroberungen zu machen;aber noch weniger hätte sich das Jesustum ohne ihn behauptenkönnen.
>) I. Korinthbr. II, 15 sg. Was bei der heidnischen Gemeinde üblich war,ist um so mehr bei der judäischcn voranszusetzen.
-) Das. 10, 16 fg., II, 20. Nömerbr. 16, 16. fll. Kor. 13, 12. I. Tess.5, 26. I. Petr. S, 14.)
b) Korinthbr. das. 12, 8 fg., 20 fg. Nömerbr. 12, 6. Ephescrbr. 4, 11.