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Geschichte der Juden.
werden. Im Tode löst sich die Seele vom Leibe ab, um zu ihremUrsprünge, in ihre Heimat zurückzukehren, vom Kcrkerlebeu des Irdi-schen befreit, aus dem sie sich, wie die Israeliten aus Ägypten, schonim Leben weggesehnt hat. Solange die Seele aber mit dein Leibe inVerbindung ist, wird sie zu Boden gedrückt und ist nicht frei vonSünde: der Leib reizt die Seele zur Sinnlichkeit.
Der Lebenszweck der Seele des vollkommenen Menschen, desWeisen, und das höchste Gut ist daher Unterdrückung der Sinn-lichkeit und aller irdischen Affekte und Erstreben der reinenSittlichkeit oder Heiligkeit. In diesem Punkte konnte Philodie Lehren der stoischen Schule mit dem Judentum in Einklang bringen.Die Sittlichkeit läßt sich nach Philo in zwei Verpflichtungen zu-sammenfassen: in Verehrung gegen Gott und in Liebe undGerechtigkeit gegen alle Menschen. Aber der Mensch ver-mag, auf seine eigene Kraft beschränkt, sich nicht von der Sinnlichkeitloszumachen und dem Höchsten zuzustreben; er bedarf dazu der gnaden-vollen Mitwirkung Gottes. Er muß daher, wenn er ein tngendhafresLeben führen will, stets in Verbindung mit Gott bleiben: die wahreWeisheit ist die Furcht Gottes. Der Weise soll sich daher ausschließ-lich der Betrachtung Gottes widmen. Selbst die Philosophie, die einGeschenk Gottes ist, hat nur den einen Zweck, den Zug der Seelezu Gott zu befördern. Aber sie genügt nicht, um ein höheres Lebenzu erzeugen. So wie der Mensch Erkenntnis seiner selbst erlangt,gewahrt er Die Unzulänglichkeit seines Verstandes. Er soll daher,wenn er das Hauptziel, das dem Menschen gesteckt ist, erreichen will,seine Verstandeserkenntnis aufgeben und sich ganz in Gott versenken.Das menschliche Licht muß tu dem Göttlichen erlöschen. Der Menschmirß sich in den Zustand der Verzückung, in eine Art göttlichenWahnsinns k'rAko?) versetzen; denn sobald das göttliche
Licht auflenchtet, geht das menschliche unter und ebenso umgekehrt.Dieser hochgestimmte verzückte Seelenzustand ist die Eigentümlichkeitder Propheten gewesen, bei denen das menschliche Denken ganz vordem göttlichen Geiste verschwand. Über den verzückten, ganz in Gottaufgegangeneu Menschen kommt nämlich der prophetische Geist, under ist dann imstande, das wabre Wesen der Gottheit zu erkennen undin Gemeinschaft mit ihr zu treten. Die Propheten sind als die Organeder Gottheit zu betrachten, durch welche sie ihren Willen kundgibt.Denn der wahre Prophet verkündet nicht eigene Gedanken aus sichheraus, ja begreift selbst nicht einmal das von ihm Verkündete, sondernfühlt sich wie von einem andern außer und über ihm befindlichenWesen unsichtbar getrieben, dessen Eingebungen wiederzutönen. Daher