Philos philosophisches System.
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Charakter,, und hierin zeigt sich der Einfluß des Judentums auf seineGedankenwelt am mächtigsten. Gott allein ist ihm das Gute, Voll-kommene und Wirkliche; der Stoff, ans welchem die Welt besteht, istendlich, hat nur ein scheinbares Sein nnd ist die Quelle des Bösen.Gott als der Unendliche nnd Unerschaffene ist mit nichts Gewordenemzu vergleichen. Er hat keine Ähnlichkeit mit den Geschöpfen, ist er-haben über Zeit, Raum nnd menschliche Affekte; er ist selbstgenügsam.Er ist besser als die Tugend nnd das Wissen, besser als das Schöneund Gute (das Ideal der griechischen Weisheit), einfacher als das Eins,seliger als die Seligkeit. Daher könne eigentlich Gott keinerlei Eigen-schaft beigelegt werden, oder nur verneinende; man müsse daher sagen,Gott sei eigenschaftslos (»710,0?'. Daher können auch keine NamenGottes Wesen bezeichnen; man könne nur von ihm anssagen, er istder Seiende (ä w?) oder das Sein im Allgemeinen (rc> ciy. Diesenphilosophische» Begriff bezeichne das Judentum durch den vierbnch-stabigen Namen Gottes (Tetragrammaton), der nur in dem Heiligtumausgesprochen und nur von Solchen, deren Sinn und Sprache durchdie Weisheit geläutert sind, vernommen werden dürfe*). Gottkönne daher vom endlichen Verstände gar nicht begriffen werden, derMensch könne nur wissen, daß Gott ist; was er aber ist, bleibt demSterblichen verborgen. Um aber die Persönlichkeit Gottes zu retten,mußte das philonische System zum Teil von dieser Eigenschafts-losi gkeit abgehen und Gott auch die höchste Wirksamkeit znschreiben.Ihm gebühre ebenso die unendliche Tätigkeit, wie das wahreSein. Das Wirken ist Gott ebenso eigentümlich Wie dem Feuer dasBrennen nnd dem Schnee die Kälte, nnd dieses um so mehr, als er jader Grund ist alles dessen, was wirksam ist. Gott wirkt unaufhörlich,und sein Tun ist der Inbegriff seiner Vollkommenheit nnd Wahrheit.In dieser Wirksamkeit Gottes lassen sich nach Philo zwei Seiten unter-scheiden; die Macht nnd die Güte, welche in der Bibel durch zweiGottesnamcn Adonai-Elohim (--öp,o?-Sec?) bezeichnet sein sollen.Tie Macht ist die königliche, die gesetzgebende, die strafende,die Güte die wohltätige, die gnadenreiche, die erbarmendeEigenschaft Gottes.
Vermöge seiner unendlichen Wirksamkeit nnd seiner Allmachtmüsse Gott schöpferisch gedacht werden, aber vermöge seiner Erhaben-heit nnd Vollkommenheit könne er mit dem das Böse enthaltendenUrstoff nicht in Berührung kommen. Daher nimmt das philonische
Philosophie 1872. Vergl. dazu Frankel-Graeh, Monatsschr. Jahrgang 1872,S. 2L!> sg. (Weitere Literatur bei Schürer III ff 513 f.)
ff Philo vita Llosis III, 11, II. lVI. II. 152, 155.