392
Geschichte der Juden.
tigen mitzuteilen und die Armen trösten, daß eine Zeit für sie kommt,wo sie nicht an den Türen der Reichen zu betteln brauchen, sondernihr veräußertes Besitztum wieder erlangen? Mit dem Eintritt dessiebenten Jahres werden die Witwen, Waisen nnd alle Enterbten miteinem Male wieder begütert" ^). Gegen die feindseligen Schmähungendes Judentums von seiten eines Lysimachos, Apion nnd ihrer Ge-nossen hebt Philo hervor, wie die judäischen Gesetze von Menschlich-keit durchweht sind, die sie sogar gegen Tiere nnd Pflanzen ein-schärfen. „Und da verschreien die elenden Sykophanten das Judentumals menschenfeindlich, während es doch gerade ans Liebe beruht"st.
Wie groß Philos Verehrung für jeden Buchstaben der heiligenSchrift war, erhellt aus einer Nachricht, die er mitteilt, und die zu-gleich Licht auf die Stimmung der alexandrinischen Judäer wirft.Ein Spötter hatte sich über die Namensveründernng, welche, nach derSchrift, Abraham 'nnd Sara erfahren haben, lustig gemacht und dieWorte gebraucht: „Welche glänzende Geschenke hat doch der Herr demPatriarchen nnd seiner Frau gemacht! Dem einen schenkte er einAlpha, dem Andern ei» Rho (nach griechischer Anssprache (Sarrhas!"Als später dieser Spötter sich erwürgt hatte, erblickte Philo darin diestrafende Hand des Himmels für seine ironische Äußerung gegen dieErhabenheit der heiligen Schriftst. Die hohe Verehrung für dasGesetz beurkundete er auch dadurch, daß er mit schüchterner Demut andie Erklärung desselben ging nnd dem Schöpfer dafür dankte, daß ergewürdigt worden, Dolmetsch desselben zu sein, um das der MengeUnverständliche zum Verständnis zu bringen st.
Um den Spöttern nnd Gesetzesverächtern unter seinen Stammes-genossen und den Griechen, welche nur eine falsche Vorstellung vomJndentume halte», eine bessere Metnung für die Schriftdenkmäler desJudentums beiznbringen, arbeitete Philo seine Schriften aus, die eineArt philosophischen Kommentars znm Pentateuch bilden. Es war dererste Versuch dieser Art, die Wahrheiten des Judentums in gedanken-mäßige Form zu bringen. Er teilte seine Schriften in zwei Teile ein,in das Buch „über die Weltschöpfung" (xoa//o7rol'st — das aberzugleich alles Geschichtliche in der Genesis bis zu Abrahams Geburtumfaßt — und in das Buch „über die Gesetze" wozu er
auch die Geschichte der drei Patriarchen, soivie Josephs und Moseszählte, deren Leben er als ungeschriebene, gewissermaßen persönlich
st Philo äs septsnario H 12. ltl. II, 289.
st Das. äs bamanitais tz 19, ltl. II, 399.
st Das. äs nominal» niatarivas H 8. U. I, 587.
st Das. äs Lpsoialiba» IsKibas. Anfang, lil. II, 299.