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3. Geschichte der Judäer von dem Tode Juda Makkabi's bis zum Untergange des judäischen Staates 2 (1906)
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Geschichte der Juden.

heraus/ den versteckten höheren Sinn zu suchen Die andere Be-trachtung ging von der Vollkommenheit der heiligen Schrift aus. Dasie göttlicher Abstammung sei und die Wortfügung genau abwäge,dürfe kein Satz, kein Wort, keine Redewendung überflüssig sein; jedesüberflüssig scheinende deute vielmehr einen tieferen Sinn an^). Alsogerade die hohe überschwengliche Verehrung, die Philo für dieSchriftquellen des Judentums hatte, schien ihm die Auslegungsweisezu empfehlen, die unserer heutigen Auffassungsweise der Schrift sogeschraubt und unhaltbar vorkommt.

So sehr Philo aber auch die Verkehrtheit der Allegoristen teilteund sie noch überbot, so himmelweit wich er von ihr gerade in demwesentlichen Punkte über die fortdauernde Gültigkeit der gesetzlichen Übungab, und darin besteht eben seine Bedeutung. Entschieden und scharfsprach er sich gegen diejenigen aus, welche sich mit dem in dem Gesetzegefundenen höheren Sinne begnügten und das Gesetz selbst gleichgültigbehandelten; er nannte sie leichtsinnig und oberflächlich.Als wenn sie,auf sich selbst beschränkt, in der Wüste lebten oder unkörperliche Wesenwären und weder Stadt, noch Dorf, noch Haus, noch überhaupt Umgangmit Menschen kennten, verachten diese das bei der Menge Beliebte undsuchen die Wahrheit unverhüllt. Das heilige Wort aber lehre, sichwohl einer höheren Denkweise zu befleißigen, aber auch nichts von denGebräuchen fahren zu lassen, welche gottbegeisterte und größere Männerals wir eingeführt haben. Sollen wir, weil wir den geistigen Sinndes Sabbats kennen, die gesetzlichen Vorschriften für denselben hintan-setzen?"Sollen wir also", ruft er aus,am Sabbat mit Feuerumgehen, den Boden bebauen, Lasten tragen, vor Gericht laden und Rechtsprechen, Schulden eintreiben und überhaupt alles Werktägige verrichten?Sollen wir, weil die Festeszeiten ein Sinnbild des Seelenfriedens unddes Dankgesühles gegen Gott bedeuten, die festliche Weihe verwerfen?Oder weil wir die symbolische Bedeutung der Beschneidung kennen,sollen wir dieses Gesetz aufgeben? So müßten wir auch die Heiligkeitdes Tempels und andere Religionsgebräuche aufgeben, wenn wir »nrdie geistige Bedeutung derselben gelten lassen wollten. Man mußvielmehr beides, die höhere Wahrheit eines Gesetzes und das Gesetzselbst gleich schätzen, jene als die Seele, dieses als den Leib. So wiewir den Leib als Sitz der Seele Pflegen, so müssen wir auch denBuchstaben der Gesetze beachten. Gerade durch die Be-

*) Philo äs mumli opitlsio, 8 23, lil. I 16 u. a. St.") Das. äs luig'rations .4brabami H 16, lll. I, 450.