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3. Geschichte der Judäer von dem Tode Juda Makkabi's bis zum Untergange des judäischen Staates 2 (1906)
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Geschichte der Juden.

um ihrem Gatten im Streite beizustehen, nach den Schamteilen desGegners greift, soll symbolisch bedeuten: die Seele habe eine männlicheund eine weibliche Seite; jene sei auf das Göttliche, diese auf dasIrdische gerichtet, und das Gesetz wolle hierdurch lehren, daß die demVergänglichen zugewendcte Richtung der Seele ausgemerzt werdenmüsse i). Eine Folge dieser allegorischen Auslegung war jene oben(S. 333) berührte Erscheinung, daß die gebildeten Judäer Alexandrienslau gegen ihre väterliche Religion wurden. Die Allegorie erschüttertedie festen Wälle des Gesetzes.Wenn die Gesetze nichts anderes sindals Einkleidungen philosophischer Ideen, wenn der Sabbat nur dieMacht des unerschaffeuen Göttlichen" bedeute, die BeschneiduugdieBeschränkung der Leidenschaften", so genüge es ja, sich diese Gedankenanzueignen, sie theoretisch zu wissen, wozu dann noch die ÜbungVon der Lauheit gegen die Gesetze bis zum Abfalle vom Judentumwar nur ein Schritt, und so ist die Erscheinung erklärlich, daß manchedie Prüfung gehäufter Drangsale nicht bestanden haben und zum Heiden-tum übergetreten sind. In Alexandrien trat zuerst der Gegensatz vonWissen und Glauben im Judentum hervor, ohne jedoch ausgetragenund zur Versöhnung gebracht zu werden.

Dieser Lauheit gegen das gesetzliche Judentum arbeiteten allerdingsmanche entgegen, die sich nicht in der griechischen Bildung verlorenhatten.

Zu ihnen gehörte besonders Philo, der größte Geist, den diealexandrinische Judenheit erzeugt hat. Mit seiner hoheitsvollen, be-geisterten Sprache redete er der fortdauernden Verbindlichkeit desGesetzes das Wort und flößte seinen Zeitgenossen wieder Liebe dafürein. Philo, von dessen persönlichen Verhältnissen und eifriger Tätigkeitfür das Wohl seiner Stammesgenosseu bereits (S. 336) die Rede war,teilte zwar die Jrrtümer und die Befangenheit seiner Zeitgenossen,überragte aber mit seinem Hellen Kopfe ihre Unklarheit und Ver-schwommenheit.

Er machte zwar ebenfalls den ausschweifendsten Gebrauch von derallegorischen Auslegungsweise seiner Vorgänger und stimmte ihnen bei,daß alle Teile des Pentateuchs oder mindestens doch der größte Teildesselben, die geschichtlichen wie die gesetzlichen Bestandteile, allegorischgedeutet werden müßten b). Er verfiel ebenfalls, um diese Methode

*) Philo äe spsvialibus IsZIbus III, 32., L. II, 329. Vergl. äs eirenm-oisious H 2, ZI. II, 211; äs saoriüoantt. H 3, L. II, 253.

2) Das. äs miArations ^.brabami K 16, L. I, 450.

°) Das. Isß-um allsAvrias I, Z 1 L I, 44; II, §6 LI, 69 u. a. St. ÜberPhilos Allegoristik vergl. Siegfried, a. a. O.