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Geschichte der Juden.
für das Judentum, als enthielte es die erhabensten Lehren aller Philo-sophen, und merkten nicht, daß sie damit eigentlich dem griechischen Geistehuldigten. Aber mit dieser Auskunft beschwichtigten sie ihr Gewissen undhatten zugleich einen weiten Spielraum, die philosophischen Gedankenim heiligen Schrifttum wiederzusinde». Das biblische Schrifttum botzwar nicht so viele Anlehnungspunkte, um für jeden philosophischen Satzeinen entsprechenden daraus heranbringen zu können. Aber auch überdiese Verlegenheit halfen sich die judäisch-hellenistischen Denker hinweg.
Nach dem Vorgänge griechischer Denker, die ihre eigene Welt-anschauung in Homers Versen wiedcrfanden oder aus ihnen heraus-deuteten, und dann eine eigene spielende Kunst der Auslegung anwendeten,die Allegorie^), indem sie dem schlichten Wortsinne eine andere, scheinbarhöhere unterlegten, verfuhren auch die judäischen Denker mit ihrem Gruud-buche, mit der heiligen Schrift. Bon der Voraussetzung ausgehend, daß nichtalles darin wörtlich genommen werden könne, ja nicht genommen werde»dürfe, weil sonst die Erhabenheit Gottes geschmälert und die Größe derGottesmänner in der Bibel verkleinert und entwürdigt erscheine, ver-legten sie sich auch ihrerseits auf die Künstelei allegorischer oder tropo-logischer Auslegung und Nmdeutung. Nicht bloß hinter jedem dunkelnAusdrucke suchte» sie eine versteckte höhere Bedeutung, sondern sie erklärtenauch die einfachsten geschichtlichen Tatsachen und die einleuchtendsten Gesetzefür Allegorieeu, um aus ihnen philosophische Gemeinplätze herauszu-schrauben 2). So taten sie der Schrift den größten Zwang an und deuteten
„Gegensätze" entlehnt habe (in 6en. III, 5, sä. Richter Vol. VII, x. 11): HinsIlsraelitu8. . a, IbsoloKo no8l.ro mntnatn8 8eubentia8 äs contrario. Das. IV, 152,Nicht., i,. 157, Heraklit habe von Mose gestohlen: gua äs rs Ilsraolitus . . . Inrtima Noz'8s äeinpta lexs et 8entenlia. In (jnae8tioue8 in 6eu. II, 6, Vol. VI,x. 3l j kommt der Satz vor: ul8osrate8 alt, 8ivs uNoz-se eäoetn8 8ive ex rskn8ipsis inotus. Allein die (jnae8t.ivus8 sind schwerlich aus Philos Feder geflossen,vergl. Note 21. (Sie werden jetzt allgemein für echt gehalten, vcrgl. Schürer III497—50I.s In der Schrift äs iueorrnplabilll. munäi, H 5 (II. II, 490) kommtvor, daß lange vor Hesiod der judäische Gesetzgeber etwas Philosophisches aus-gesprochen habe. Aber diese Schrift ist entschieden unecht. Vergl. dieselbe Note.
1) Vergl. die Zusammenstellung der allegoristischen Interpretation bei denGriechen, C. Siegfried, Philo von Alexandrien 1875, S. 9 fg.
2) Eine Spur bewußter tropologischer Auslegung vor Philo findet sich
nur im Aristeasbriefe (bei Josephns sä. Ilavere. II, p. 117 sä. Schmidt, S. 40,seä.Wendland t; 150s)rxv7rol>^o7r nämlich dieDeutung der gespaltenen
flauen. Das Buch der Weisheit und das IV. Makkabb. enthalten keine allegorischeAuslegung, auch sind diese Schriften nicht älter als Philo; Pseudo-Aristobul istnoch jünger. Philo selbst nennt aber teils ältere, teils zeitgenössische Allegoriker(äs 8oiunii8 II, H 20) /scc/I 7i' ; äs ^brabamo H 20 jlll. II, 15s