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Geschichte der Juden.
Hut er gleich dem Sibyllineudichter in dus bequeme griechische sechsfüßigeVersmaß gebracht, wodurch sie sich leichter dem Gedächtnis einprägenkonnten. Dieser Pseudo-Phokylides, welcher wohl in der Zeit derersten Kaiser gelebt hat, durchschaute das Siechtum, woran die beidenKulturvölker damaliger Zeit kränkelten: unnatürliche geschlechtliche Lasterund Herzensverhärtung, an denen sie untergehen müßten, wenn sie sichnicht zur Besserung aufraffteu. Zu ihrer Besserung reichte er ihnenden Balsam der höheren Sittlichkeit, wie sie in Moses Lehre und sonstnoch uiedergelegt ist. „Das sind die Geheimmittel der Gerechtigkeit.Wer nach diesen lebt, wird ein glückliches Leben bis zu des AltersSchwelle erreichen", sagte er ihnen. Um diesen Lehren der Sittlichkeitund sanftmütigen Menschenliebe wirksame» Eingang zu eröffnen, ver-steckte er geflissentlich ihren jndäischen Ursprung und seine judäischeAbstammung, und dieses ist ihm so sehr gelungen, daß er nicht erkanntwurde, und daß seine Sittensprüche in den Schulen gelehrt wurden,als stammten sie von einem griechischen Dichter.
Vor allem warnte Pseudo-Phokylides vor der unkeuschen Liebeund der Unnatur der Knabenliebe, wodurch Griechen und Römer sichschwächten und dem Untergang zueilten.
„Eros ist keine Gottheit, nur Unheil erzeuget er allen".
Wie sehr stach die Lehre der Feindesliebe gegen eine Welt ab,welche ans Krieg und Menschenmord gebaut war!
„Gegen den Feind umgürte das Schwert nicht, sondern znr Abwehr.
„Besser Du brauchst es nicht, seis rechtlich, seis zum Unrecht.
„Denn erlegst Du den Feind, so sind Deine Hände befleckt".
Noch mehr Verse sind der Feindesliebe gewidmet, welche das Juden-tum von Anbeginn an gepredigt hat. Die Gleichheit aller Menschen,die Ebenbürtigkeit des Fremden mit dem Einheimischen, das Mitleidmit dem Armen und Unglücklichen legt dieser judäische Sprnchdichterseinen Lesern ans Herz. Der Unsitte der Griechen und Römer, dieFrucht im Mutterschoße zu vernichten und neugeborene Kinder, wennsie schwächlich znr Welt kamen, ungerührt ausznsctzen — eine Freveltat,welche selbst die Blüte der griechischen Weisheit in Plato empfohlenhat — hält der Dichter entgegen:
„Töten soll nicht die Mutter ihr Kind im eigenen Schoße„Noch Neugeborene werfen Hunden und Geiern zur Speise."
Auch die Grausamkeit rügt er, mit der die Römer ihre Sklavenbehandelten und ihnen sogar mit glühenden Eisen ein Zeichen insFleisch brannten. Wenn auch Pseudo-Phokylides die Heimstätte dieserLehre geflissentlich verleugnet hat, wie die Königin Esther ihre Abkunft,