Die judäische Sibylle.
377
Früh vom Lager und stets rein waschen mit Wasser die Hände;
Welche verehren den Herrn, die ewig allmächtige Gottheit,
Die unsterbliche, dann ihre Eltern, und darnach vor allemDenken an Menschen, die ein keusches Lager besitzen;
Auch sich nicht unkeusch vermischen mit männlichen Kindern,
Wie die Phönizier tun, die Ägypter und auch die Lateiner,
Griechenland auch, das gedehnte, und sehr viele andere Völker,
Perser und Galater und ganz Asien; die überschreitenGottes heilig Gesetz, des unsterblichen, das sie verachten*).
Von der glücklichen Zukunft des messianischen Reiches, anwelcher alle Völker der Erde teil haben werden, prophezeit dieSibylle:
Elendes Hellas, so höre doch auf, dich stolz zu erheben.
Zu dem Unsterblichen fleh', dem Hochherzigen, und nimm in acht dich.Sende zur selbigen Stadt das Volk unkundig des Rates,
Das ans dem heiligen Lande des großen Gottes abstammet ....
Diene dem mächtigen Gott, auf daß dir einstens ein Teil wird,
Wenn auch dies sein Ende erreicht, und der Tag der Bestimmung,
Kommt zu den Menschen heran, den Guten, nach Gottes Befehls.
Denn den Sterblichen wird in Menge die nährende ErdeGeben die trefflichste Frucht an Weizen, an Wein und Oliven,
Auch das süße Getränk des lieblichen Honigs vom Himmel,
Bäume und Früchte vom Baum und auch gemästete Schafe;
Ochsen und Lämmer von Schafen und auch von Ziegen die Böcke.
Quellen fließen sie läßt von Milch, der weißen und süßen.
Auch werden sich wiederum mit Gütern die Städte ansüllen;
Und der Boden ist fett, weder Krieg ist auf Erden, noch Schlachtlärm.Auch wird nicht mehr tief aufstöhnend die Erve erschüttert.
Nicht wird Krieg mehr sein, nicht Trockenheit fürder aus Erden:
Nicht mehr Hunger und nicht der Früchts zerstörender Hagel;
Sondern ein großer Friede herrscht auf der sämtlichen ErdeUnd bis ans Ende der Zeit wird Freund sein ein König dem andern:Und nach einem Gesetz wird die Menschen auf sämmtlicher ErdeDer unsterbliche Gott im gestirnten Himmel regieren;
Ein Gesetz, für was immer getan die elenden Menschen.
Denn er selbst ist ein einiger Gott, es gibt keinen andern;
Und mit Feuer wird er dis schrecklichen Männer verbrennen").
Dieser begeisterte judäische Sänger, der den heidnischen Völkerndie Wahrheit des Judentums in Orakelform näher bringen wollte, warderselbe, welcher zur Zeit der letzten ägyptischen Königin Kleopatraund des zweiten römischen Triumvirats die Ankunft des Messias inHerrlichkeit verkündete (o. S. 273).
Unter der Maske des griechischen Spruchdichtcrs Phokylides hatein anderer judäischer Verskünstler den Griechen und Römern diesittlichen Wahrheiten des Judentums nahe gelegt. Diese Wahrheiten
*) Sibylliuen V. 584-60». '-) Das. V. 732—735. 740—761.