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3. Geschichte der Judäer von dem Tode Juda Makkabi's bis zum Untergange des judäischen Staates 2 (1906)
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Geschichte der Juden.

Das judäische Bnndeszeichen der Beschneidung war den Heidenbesonders ein Gegenstand des Staunens und Lachens. Selbst der Ernstder Judäer, der keinen Anteil nahm an den kindischen Belustigungenund Kampfspielen, erschien ihnen als eine Ausgeburt einer düsternGemütsart, die an dem Schönen keinen Gefallen findet. OberflächlicheGeister betrachteten daher das Judentum als einen barbarischen Aber-glauben, der Lieblosigkeit gegen das Menschengeschlecht lehre ^), währendTieferblickende von der reinen, bildlosen Verehrung eines einzigenGottes, von der Anhänglichkeit und der tiefen Teilnahme der Judäeraneinander, von ihrer Keuschheit, Mäßigkeit und Standhaftigkeit zurBewunderung hingerissen wurden

Mehr Blößen zeigte das Heidentum und das daraus entsprungeneunsittliche Leben dem scharfen Blicke der Judäer. Das wüste Götzentummit seiner fabelhaften Mythologie, welche die Götter noch niedriger alsdie Menschennatur machte, der Wahnwitz, lasterhaften Kaisern alsGöttern zu opfern, die immer mehr einreißende Sinnlichkeit durch denVerfall Griechenlands und die Berührung der Römer mit den entartetenVölkern, die täglichen Erscheinungen des ehebrecherischen Lebens, dieEntartungen der Knabenliebe, der baccchantische Taumel von Wahu-glanben und Unglauben machten die Judäer auf ihr geistiges Eigen-tum um so stolzer und forderten sie gewissermaßen heraus, dieVorzüge ihrer Gotteserkenntnis im Gegensätze zu der heidnischenReligion geltend zu machen. Da wo die griechische Sprache denGedankenaustausch erleichterte, wie in Ägypten, Syrien, Kleiuasien undGriechenland, kam es zu geistigen Reibungen zwischen Judäern undHeiden. Das Judentum lud gewissermaßen das Heidentum vor dasTribunal der Wahrheit und stellte seine eigene Erhabenheit der niedrigenheidnischen Denkweise gegenüber.

Die in der Brust lebende Überzeugung der Judäer rang nacheinem Mittel, sie auch den Betörten und Verblendeten beizubriugen.Weil aber das Judentum bei den Völkern verhaßt war, griffen dieGebildeteren zu einer Art frommen Betruges, indem sie heidnische Dichterund Wahrsager selbst die Größe des Judentums verkünden ließen. Demin den Nebel der Sage gehüllten Sänger Orpheus und dem die All-gewalt der Götter darstellenden tragischen Dichter Sophokles legtenjudäisch-griechische nachbildende Künstler Verse in den Mund, diejudäische Lehre» und deren Gegensatz gegen das Heidentum offenbaren.Der letztere verkündete:

*) Oiesro pro l?Iaoeo 28.

2) laoitus das. vio 6assiu8 37, 17.