370
Geschichte der Juden.
gebreitetere Zerstreuung des ältesten Kulturvolkes, der Judäer, dennicht zu übersehenden Zweck, den Wahngebilden und den tierischenLastern des Heidentums entgegen zu wirken. Wie zersprengt aberauch der jndäische Stamm war, so waren seine Glieder doch nicht voneinander losgelöst; sie hatten einen Einigungspunkt im Tempel zuJerusalem und in dem Synhedrion in der Quaderhalle, an denen dieZerstreuten mit ganzem Herzen hingen. Dorthin waren aller Blickegerichtet, dorthin sandten alle ihre Spenden, um sich an dem Opfer-kultus wenigstens durch Beiträge zu beteiligen *). Vom Synhedrionerhielten sie ihre Norm für das gesetzliche Leben, die um so bereit-williger befolgt wurde, als sie nicht durch Zwang aufgelegt war. DasSynhedrion sandte von Zeit zu Zeit Abgeordnete zu den Gemeindennah und fern, um sie mit den wichtigsten Beschlüssen bekannt zumachenst.
Der Besuch des Tempels durch die außerpalästinensischeu Ju-däer befestigte das Band der Einheit, und diese Besuche müssen sohäufig gewesen sein, daß die auswärtigen Judäer eigene Gotteshäuserin Jerusalem hatten, wo sie sich zum Gebete versammelten. Es gabin der Hauptstadt Synagogen der Alexandriner, Kyrenalker,Libertiner, Elimäer und Asiaten st. Die Zahl von 480Synagogen, welche sich in Jerusalem befunden haben sollen st, dürftenicht allzusehr übertrieben scheinen. Von der großen Zahl der Judäerin dieser Zeit kann mau sich einen Begriff machen, wenn mau bedenkt,daß in Ägypten allein vom Mittelmeere bis zu den Grenzen Äthiopiensbeinahe eine Million wohntest. In dem benachbarten Laude Kyrenaikawohnten zahlreiche Judäer, die teils von Ägypten aus dahin verpflanztund teils freiwillig dahin ausgewandert waren (o. S. 229). In Syrien undnamentlich in der Hauptstadt Antiochien bildeten Judäer einen ansehn-lichen Teil der Bevölkerung. Die auf Antiochos Epiphanes folgendenKönige von Syrien, besonders Alexander Balas und Demetrios Nikator,hatten ihnen alle Rechte und besonders die Gleichstellung, deren sie der halb-wahnsinnige Epiphanes beraubt hatte, wieder eingeräumt. Einer dieserKönige hatte ihnen sogar die aus dem Tempel geraubten Weihegeschenke
st Philo äs lllonarobia Z 1; in Ulaeeuin 7; leZMio aä Ochnin 7, 29;36, 7 fg.
2) Vergl. Apostelgeschichte 28, 21. o. S. 348.
3) Das. 6, 9. Dosspüta. lllsKillo. II, 5. .Isrus. LleZilla III, p. ^73 ä.In Habli Zlsgllla 26 a würde die Lesart Darsiim (a-wiist auf eine Synagogeder Judäer von Tarsus schließen lassen.
st Isrns. lllsZIIla III, 1, p. 73 ä; Letubbot XIII, 35 e, vergl. Lliärasokzu Threni?etb. XII. und zu 2, 2.
st Philo in 6.