Die letzten Jahre Jerusalems.
Dreizehntes Kapitel.
Ausbreitung des judäischcn Stammes und der judäischen Lehre.
Verbreitung der Judäer im römischen Reiche und in Partien. Der judäischeRaubstaat in Naarda. Vorurteile der Heiden gegen das Judentum. An-griffe judäischer Schriftsteller auf das Heidentum. Die judäischen Sibyllinen.Die antiheidnische Literatur. Der Aristeasbrief. Das Buch der Weisheit.Die Allegoristen. Philo's Bestrebung und philosophisches System. Prose-lyten. Das adiabenische Königshaus. Die königliche Proselytin Helene.Der Apostel Paulus.
40 — 49.
Keinem Volke der Erde ist an der Wiege schon das Lied vonendloser Wanderung und Zerstreuung vorgesnngen worden wie demjudäischen, und dieses schaurige Wiegenlied ist in erschrecklicher Buch-stäblichkeit in Erfüllung gegangen. Es gab kaum einen Winkel in denbeiden damals herrschenden Reichen, dem römischen und dem parthischen,worin nicht Judäer wohnten *), und wo sie nicht zu einer religiösen Ge-meinschaft zusammen gewachsen wären. Der Rand des großen Mittel-mcerbeckens und die Mündung aller Hauptströme der alten Welt: desNil, des Euphrat, des Tigris, der Donau, waren von Judäern bevölkert.Ein unerbittliches Verhängnis trieb die Söhne Israels immer weitervon ihrem Mittelpunkte fort. Diese Zerstreuung war aber auch einSegen und ein Werk der Vorsehung. Die Unvertilgbarkeit und Un-sterblichkeit des judäischen Stammes ward dadurch gesichert. In dem einenLande verfolgt, gehetzt, zertreten, sammelte er sich in einem andernund gründete Stätten für die immer teurer gewordene Lehre. Eswaren ausgestrente Samenkörner, die bestimmt waren, überallhinlautere Gotteserkenntnis und reinere Gesittung zu tragen. Wie dieKolonisierung der Griechen dazu beigetragen hat, den Sinn für Kunstund Wissenschaft unter den verschiedenen Nationen zu wecken, wie dieAnsiedelungen der Römer dazu dienten, ein durch Gesetz geordnetesGemeinwesen in vielen Ländern zu fördern, so hat die noch viel aus-
U Strabo bei Josephus Altert. XIV. 7, 3.
Eraeh, Geschichte der Juden. III. 24