Note 19.
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Regenten- oder Eponymenlisten jenen ähnlich sind, so stehen die Assyriologennicht an, auch diese als Annalen zu behandeln, die zugleich die Dauer derRegierungsjahre der Könige bezeichnen sollen: so viel Namen innerhalb zweierStriche, so viel Jahre rc. In Folge dessen fixiren sie nicht blos die assyrischeChronologie mit astronomischer Genauigkeit, sondern wollen auch den Synchro-nismus der israelitischen Königs-Geschichte danach meistern. Nach Schrader'sBerechnung betrage die chronologische Differenz zwischen den Angaben derBibel und den Ergebnissen nach dem assyrischen Regenten-Kanon für dieKönige Achab und Jehu 40—50 Jahre. Folglich seien jene falsch la. a. O.,S. 299 fg.>.
Freilich muß man dabei den Assyriologen viel, sehr viel zugeben, was nochdurch und durch von Ungewißheit beherrscht ist, und wogegen sich der kritischeTakt sträubt. Man muß ihnen zunächst zugeben, daß sie die Keilinschriftenrichtig dechiffrirt haben, was sie selbst einander absprechen. Man vergleichenur, was Oppert, einer der assyriologischen Autoritäten, gegen zwei andereund ältere Koryphäen urtheilt, gegen Hinks und Henri Rawlinson, daßkeiner von beiden jemals auch nur die kleinste assyrische Inschrift richtig inter-pretirt habe (Studien und Kritiken, S. 715 fg.). Andere erkennen wiederumOppert's Interpretation nicht an. Denn die Keilschrift soll mehrere ideographischeZeichen, gewissermaßen Sigel enthalten, und diese können, nach der Aussageder Dechiffrirer selbst, die verschiedensten Laute bezeichnen. Eine solche Gruppekönne z. B. ausdrücken: ab, bs, vs, bu, da, bil oder bi, bat, milr,mit, obuv. „Gewiß keine Förderung richtigen Lesens", wieWuttke dazu be-merkt (a. a- O. S. 627). Daher sind die Assyriologen nicht im Stande, dasMißtrauen gegen die Resultate ihrer Dechiffrirung zu bannen, wie zuversichtlichsie auch thun. Man bedenke nur, wie schwer es zuweilen geübten Semitenwird,.phönicische, punische oder nabatäische Inschriften zu entziffern, selbst wenneine griechische Inschrift sich dabei befindet und Hülfsmittel bietet, und wie sehrsie bei der Interpretation solcher Inschriften von einander differiren! Wie erstbei den Keilinschriften, deren Schlüssel ein passs-partout ist!
Eine andere Unsicherheit entsteht aus der Sprache. Welchem Idiome ge-hören die Texte der Inschriften an? Die Assyriologen betrachten es meistensals semitisch und Haschen nach hebräischen, arabischen, aramäischen und sogartalmudischen Wortwurzeln, um den Inhalt zu deuten. Einige Forscher wollenin der neuesten Zeit den semitischen Ursprung der Assyrier bestreiten. Oppertwill endlich das Joch abschütteln und das Assyrische durch das Assyrische selbsterklären (llournal ^.siatiyuo, Jahrg. 1863, II, p. 477). Diesen häuslichenStreit mögen sie unter einander ausmachen; aber sie dürfen nicht verlangen,daß die Nichteingeweihteu jetzt schon die philologische Ebenbürtigkeit der assyri-schen Sprache neben der griechischen, lateinischen, hebräischen und anderen Idio-men anerkennen sollen, welche Organe für historische Urkunden geworden sind.— In der Sache selbst müßte man ihnen noch dazu etwas Bedenkliches zugeben,daß, wie etwa die Römer nach Consuln, die Assyrier die Jahre nach Beamtengezählt hätten, etwas Wunderliches in einem despotisch regierten Staate, inwelchem der König Alles ist, Volk und Beamten gar nichts bedeuteten. Dazu