484 Geschichte der Juden.
kannte Größen durch unbekannte umzuwandeln. Prof. Hein. Brandes versuchtedie Chronologie auf Grund der assyrischen Funde zu reconstruiren, in einemSeparatabdruck <1873): „Die Königsreihen von Juda und Israelnach den biblischen Berichten und den Keilinschriften". Es giltalso die Basis zu prüfen, auf welcher diese neue Berechnung beruht. WasSchräder aus den biblischen Angaben selbst gegen die Richtigkeit der judäischenChronologie einwendet, ist unerheblich. Er beruft sich auf die darin verkom-menden Widersprüche, allein diese beruhen auf entstellten L.-A. und sind oben be-richtigt. Gewichtig erscheint auf den ersten Blick das Dementi von den assyrischenSchristurkunden aus. Prüfen wir die Haltbarkeit ihres Grundes.
Man hat in Assyrien lange Listen von Namen in Keilschriftzeichen, über200 Namen gefunden. Von Zeit zu Zeit sind diese Namen durch einen dickenStrich von einander getrennt. Die Assyriologen nennen diese Listen, von denenvier Exemplare ausgefunden wurden, den assyrischen Kanon. Die Exem-plare zeigen indeß mancherlei Abweichungen. Bei einer solchen Liste ist einName vorangesetzt, welchen sie als Köuigsnamen betrachten. Bei einem anderensteht noch dabei ein Zeichen, das die Assyriologen als sarra iKönigi anerkanntwissen wollen. Beim vierten Kanon soll sich bei dem Namen noch sar L.ssar,König von Assur, finden. Die fortlausenden'Namen in den Listen betrachtendie Assyriologen als Archonten oder Regenten, und meinen, daß jeder der-selben ein Jahr fungirt habe und chronologisch ein Jahr bedeute, so daß diese,wie in Athen die Archonten, die dem Jahre einen Namen gegeben hatten,eponyme Archonten gewesen wären. Davon nennen sie die Listen Re-genten- oder Eponymen-Kanon. Nach der Anzahl von Namen, welcheinnerhalb zweier Striche stehen, glauben sie die Zahl der Regierungsjahre jeeines Königs mit Sicherheit erkannt zu haben. Dieser Regenten-Kanon sollseine Ergänzung in einer anderen aufgefundenen Beamten liste haben, worinnoch besonders Geschichtliches angegeben sein soll. lAbgedruckt bei Schräder das.;Zeitschrift d. D. Bk. G-, Jahrg. 1869 und Theol. Stud. und Krit., Jahrg. 1871.)Diese Beamtenliste enthalte (wie sie angeben) die Namen der Verwalter oderKönige, dann noch die von ihnen nach verschiedenen Ländern angetretenen Züge:Z. B. nach dem Chaldäerland lana mat Llialclii)), nach Babylon, nach demStromlande löfter),2) nach Armenien, nach dem Ledernlande <?), nach Damas-kus, nach dem Lande Hadrach lllaclrilca) und Razape jlloLspll^ und anderenLändern unbekannten Namens und Klanges. In den Verwaltungslisten sei auchangegeben, daß der König Tiglat-Pileser sich auf den Thron gesetzt illlKlat-lladal-asar ina Lassa ittusib); daß in dem Monate Siwan die Sonne eineVerfinsterung erlitten, und sogar daß Ruhe im Lande gewesen. Kurz die Ver-waltungslisten sollen sich als respektable Annalen documentiren, und da die
h Es tragt sich aber, ob der Name Llialüi und nicht der Name Xaräi der ursprünglicheist, da die Chaldäer.nur eine mundartige Entstellung aus „Kurden" sind!
2) Assur war ja selbst das Stromland oder doch ein Theil desselben?
3) Glücklicherweise kommt nämlich und einmal in der Bibel dor. und nur
möglicherweise ist das Erstere ein Ländernamen, möglicherweise gar corrumpirt aus
oder und daraus geworden.