Note 8.
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Freilich ein objektiver Historiker hatte den Verlauf anders erzählt. Er hättemit dem Krieg und der Herausforderung zum Zweikampfe begonnen, dann Davideingeführt, seinen Sieg über den Riesen erzählt, dann Saul's flüchtige Bekannt-schaft mit David angereiht, hätte ferner erzählt, wie David ihm als Saitenspielerempfohlen wurde, jener ihn von Zeit zu Zeit an seinen Hof kommen ließ,ihn dann dauernd behalten, ihn zu seinem Waffenträger gemacht, ihn zuFehden gegen die Philister gesandt, bis David's wiederholte Siege so gepriesenwurden, daß Saul's Neid erregt wurde. Das wäre allerdings eine pragma-tische, aber keine didaktische Geschichtserzählung. Diese, welche es für nöthighält, das ihr Zweckdienliche voranzustellen, giebt geflissentlich den epischenEffekt preis, durchbricht die chronologische Aufeinanderfolge und ist daher daraufangewiesen, Nachträge zu machen.
Aus dieselbe Erzählungsmethode ist auch zurückzuführen die Darstellung vonDavid's Kriegen mit Aram <11. Sam. Kap. 8 und Kap. 10,15—19st Einige For-scher haben sich auch darin nicht zurechtgesunden und auch darin eine Verwirrungerblickt, und Ewald war gleich mit seinem zwei Quellen-System bei der Hand.Ermittelt man aber das didaktische Ziel des Darstellers, so wird man den Leit-faden der Erzählung nicht vermissen- Der Geschichtsschreiber erzählt zuerst, wieDavid die Bundeslade nach Jerusalem gebracht mit den Nebenumständen <Kap. 6j.Das war ihm die Hauptsache, weil Jerusalem dadurch erst den Charakter derCentralstadt und der heiligen Stadt erhalten hat. Er erzählt dann weiter, daßDavid die Absicht gehabt habe, einen schönen Tempel aus Cedernholz in Jerusalemzu erbauen <Kap. 7), obwohl er dieses Projekt chronologisch erst viel später,kurz vor seinem Tode äußerte <ogl. S. 291 Anmk.j. Um einen großen undreichen Tempel zu erbauen, dazu bedurfte David reicher Geldmittel. Der Ge-schichtsschreiber giebt daher an, daß David viele Schätze zum Tempelbau ge-weiht habe. Woher hat er sie gewonnen? Durch große Siege. Der Historikermußte also die Kriege und Siege voranschicken; das thut er in Kap. 8 undzwar summarisch. Als Gegensatz wird nebenher die Verkommenheit desHauses Saul geschildert <Kap. 9). Im weiteren Verlaufe will der ErzählerSalomo's Thronfolge als berechtigt auseinandersetzen, obwohl er ein jüngererSohn und halb und halb in Sünde erzeugt war. Aber Gott habe durch denPropheten Nathan David's Sünde verziehen, ihn durch den Tod des Erstge-borenen von der Bathseba gezüchtigt und den Zweitgeborenen von derselbenbesonders bevorzugt. Es waren zwar viele ältere Söhne vorhanden, aber diesesind nach und nach beseitigt worden. Der Geschichtsschreiber mußte also adovo ansangen, wollte aber David's Vergehen nicht vertuschen — denn auchdieses ist lehrreich wegen der Reue, die der König aufrichtig gezeigt hat. Dadieses Vergehen mit dem ammonitischen Krieg zusammenhängt, so erzählt erdiesen mit den Nebenumständen der Hilfstruppen, welche der Ammoniterköniggewonnen, und die sämmtlich von David aufgerieben wurden. Das ist der
Rückkehr aus mehreren glücklichen Treffen ihm zuriefen. „David schlug Zehntauscnde" erst dawurde Saul eifersüchtig auf ihn. bedeutet nicht der Philister, nämlich Goliat, son-dern die Philister, wie und viele andere Volksnamen im Singular. Saul's
Eifersucht wurde erst durch David's häufige Siege und die Huldigung, die ihm die Frauen ausallen Städten Jsrael's zuriefen, rege gemacht.
Graetz, Geschichte der Juden. I.
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