Druckschrift 
1 (1873) Geschichte der Israeliten von ihren Uranfängen (um 1500) bis zum Tode des Königs Salomo (um 977 vorchr. Zeit) : nebst synchronistischen Zeittafeln
Entstehung
Seite
414
Einzelbild herunterladen
 

414

Geschichte der Juden.

hatten bereits lange vor der Einführung des Königthums in Israel Könige,wie besonders in Genesis hervorgehoben wird. Ein König von Edom hat denIsraeliten den Durchzug durch sein Land nicht gestatten wollen. Es liegt da-her auf der Hand, daß Edom eine feindselige Haltung gegen den in seinerNachbarschaft angesiedelten Stamm Juda genommen hat. Es griff ihn daheran und unterjochte ihn 18 Jahre. Dagegen trat Othniel auf und besiegte Edom.Der Vorgang spielte in einem entfernten Winkel, die übrigen Stämme hattenkeine oder nur eine geringe Kunde davon, wenn im Debora-Liede unter dem Richter

Othniel zu verstehen ist <v. S. 411). Auch aus einem anderen Umstandeläßt es sich folgern, daß Othniel's Sieg keine große Tragweite gehabt habenkann. Der Stamm Juda figurirt gar nicht im Buche öer Richter, manchmalerscheint es, als wenn er gar nicht existirte. Das Debora-Lied nennt ihn garnicht, nicht einmal tadelnd. Nur erst gegen die Neige der Richterzeit in derGeschichte Jephtah's und Simson's kommt sein Name vor. Es kommt entschiedendaher, daß die Jebusi, welche vom Berge Zion aus die Gegend beherrschten,eine Scheidewand zwischen diesem Stamm und den nördlich davon wohnendenStämmen gebildet haben. Die Geschichte der Richterperiode und selbst David's undder nachfolgenden Zeit ist nur dadurch zu verstehen, daßJuda oder das HausJakob von den übrigen Stämmen mehrere Jahrhunderte streng von einandergetrennt waren. Hätte der einzige judäische Richter Othniel einen so glänzendenSieg über einen mächtigen Feind Khuschan errungen, so hätte er die Schrankeder Jebusi durchbrochen und wie später David sämmtliche Stämme geeinigt,und der Verlauf der Begebenheiten wäre ganz anders ausgefallen.

Was Bunsen geltend macht, daß Semiramis, das Mädchen von Gazaoder Askalon, von einem syrischen Statthalter Oannes zur Frau genommen, beiihren Eroberungszügenin Lydien und Aethiopien," einen Statthalter Khuschanüber Palästina gesetzt und nicht früher und nicht später als 1257 einen Druckauf sämmtliche Stämme ausgeübt habe (Aegyptens Stellung in der WeltgeschichteIV, S. 346 fg., 365 fg.s, wird kaum mehr denn als eine kühne Hypothese an-gesehen. Semiramis gehört der Sage an, von ihren Eroberungen in Palästinaund Aegypten läßt sich nichts Faktisches Nachweisen und noch viel weniger läßtsich diese in einen chronologischen Rahmen einfafsen. Vergl. Rösch in Herzog'sReal-Encycl. XVIII, S- 448. Das Hauptargument dagegen ist, daß Ar amnicht unter die Feinde Jsrael's gezählt wird. Und wäre Khuschan auch nurder Delegirte einer so großen Macht gewesen, so wäre es dem Richter desStammes Juda nicht gelungen, ihn zu besiegen. Denn die Thatsache steht fest,daß hinter keinem Richter die ganze Nation stand, sondern höchstens einigeStämme, und man hat keinen Anhaltspunkt dafür, daß es unter Othniel an-ders gewesen wäre.

Aus der richtigen Vorstellung von dem Wesen der Richter, daß sie eigentlichRetter waren, folgt als selbstverständlich, daß sie sämmtlich kriegerisch auf-traten, mit Ausnahme von Eli und Samuel. Der Geschichtsschreiber des Richter-buches hat es entweder nicht zweckdienlich gefunden, die Kriegsthaten der fünfRichter Thola, Ja'tr, Jbzan, Elon und Abdon ausführlich zu erzählen,oder die Vorgänge waren ihm dunkel geblieben, daher berichtet er nur sum-