Note 2.
375
Dasselbe gilt von Jeremia. Denn dieser hat um dieselbe Zeit, viel-leicht noch einige Jahre früher, und zwar noch als Jüngling, verkündet, ineinem Alter, in welchem richtige politische Combinationen zu machen noch mehrWunder wäre, als zu prophezeien. Jeremia mochte etwa fünfzehn Jahre altgewesen sein, als er verkündete: von Norden wird das Unglück überalle Bewohner der Erde eröffnet werden und die Könige des Nordenswerden ihre Throne am Eingänge der Thore Jerusalem's aufstellen lassen< 1 , 13—15s. Es bezog sich dies aus die Chaldäer, als Nebukadnezar, wiegesagt, noch jung war; der größte Theil seiner prophetischen Reden beziehensich auf diese Katastrophe des Unterganges, die er von Etape zu Etapevorschaute. Sogar als ein Hilfsheer von Aegypten eintraf und dem belagertenJerusalem Entsatz brachte, beharrte Jeremia aus seiner Prophezeiung, daßJerusalem untergehen, der König und das Volk in die Gefangenschaft geführtwerden würden <37, 7—10). „Bethürt euch nicht selbst, zu behaupten, die Chal-däer werden von uns vollständig abziehen. Denn selbst wenn ihr das ganzeHeer aufreiben solltet, und nur noch Verwundete von ihm zurückblieben, so würdendiese die Stadt verbrennen." Die Verhältnisse lagen nicht so, daß ein politischerKopf die kommenden Dinge vorher sehen konnte. Esgab zur selbenZeitPropheten,welche im entgegengesetzten Sinne sprachen, wie Chananja Sohn Azur's<das. 28, 1 fg). Zu beachten ist, daß Jeremia nicht blos den Untergang Je-rusalem's, sondern auch die Rückkehr der Judäer und den Wiederaufbau Jeru-salem's verkündet hat. Schon in seiner ersten Schau, als Jüngling, verkündeteer: er sei berufen worden, Zerstörung und Verheerung, aber auch Aufbau undNeupflanzung zu verkünden (1, 10 vergl. 31, 27'. Seine Trostreden vonder Heimkehr und Wiederverjüngung des Volkes sprach er gerade während derhoffnungslosen Zeit der Belagerung Jerusalem's. Er selbst mar verwundertdarüber, als ihm die prophetische Kunde zuging, das Feld seines Verwandtenzu kaufen, einen Kanfschein darüber auszustellen und ihn gut aufzubewahren.„Die Schanzen rücken schon gegen die Stadt, sie einzunehmen, und sie wirdden sie belagernden Chaldäern in die Hände fallen, und du sagst mir: „kaufedir das Feld und bestelle Zeugen!" (32, 24 fg.). Darauf prophezeite er: „Nochwird man Felder um Silber kaufen, Kaufscheine ausstellen im Lande Benjamin,in den Städten Juda's, in den Bergstädten, in der Schephela und, in denStädten des Südens idas. V. 42—44). Auch diese Jeremianische Prophe-zeiung hat sich erfüllt.
Dasselbe gilt vom Propheten Ezechiel. Auch er hat den Untergang Je-rusalem's und das Exil, aber auch die Rückkehr und Verjüngung des Volkesverkündet. Mit unzweideutigen Worten hat er vorausverkündet, daß die Exu-lanten in Babel den Grundstock zu einem neuen Volke und zu einer neuenedleren historischen Entwickelung bilden werden und zwar schon im Anfangseiner prophetischen Laufbahn (11, 16—20). Wie schön ist seine Prophezeiungvon den vertrockneten, zerstreuten Gebeinen, die plötzlich wieder lebendig werden!(Kap. 37). Und dieses prophetische Bild hat sich buchstäblich verwirklicht.
Es folgten darauf die exilischen Propheten, der babylonische Jesaia,oder Deutero-Jesaia (Jes. 40-66); der Prophet des Stückes K. 13—14