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Geschichte der Juden.
Aber alle diese Flecken werden wieder überstrahlt von der Größeder Schöpfungen unter seiner Regierung. Wie viel Salomo'sPersönlichkeit Antheil an diesen Fehlern hatte, und wie viel aufRechnung seiner allzu eifrigen Diener und der zwingenden Noth-wendigkeit zu setzen ist, welche die Höchstgestellten nicht minder alsdie Niedrigen in den Strudel anstürmeuder Mächte hineinreißt, läßtsich nicht mehr unterscheiden. Das ist eben der Fluch, der auf demKönigthume lastet, daß es auch die würdigsten Träger der Kronezur Behauptung ihrer Würde zu Schritten veranlaßt, welche ihrGewissen bei ruhiger Prüfung verdammen würde, und daß dieUuthaten ihrer Diener auch ihnen zur Last gelegt werden.
Salomo war jung, als er zur Regierung gelangte, vielleichtkaum zwanzig Jahre. Er besaß eine große Seele, welche ihrDenken auf das Ziel richtete, Israel angesehen zu machen, dessenWohl zu begründen, ihm Glanz zu verleihen und es zu einem dergrößten Völker zu erheben. Als er nach seiner Thronbesteigungden großen Altar in Gibeon besuchte, erschien es ihm im Traum-gesicht, — so wird erzählt — als wenn Gott ihm nahe gelegt, deninnigsten Wunsch seines Herzens zu äußern, der sich ihm unfehlbarerfüllen solle. Er habe nicht langes Leben, nicht Reichthum undEhre, und nicht den Tod seiner Feinde, sondern weisen Sinn ver-langt, sein Volk mit Gerechtigkeit richten zu können. Diese Weisheit,dieses Vermögen, in den Seelenzustand und die Stimmungen dervor ihm erschienenen, streitenden Parteien einzudringen, das richtigeSachverhältniß und die Wahrheit aus der Verdunkelung der Redeund Gegenrede sofort zu erkennen, nicht nach dem Augenschein zurichten und nach Wortgeklingel zu entscheiden, besaß der junge Königin hohem Grade. Das salomonische Urtheil ist bekannt. Durcheine Entscheidung, wodurch das wahre Muttergefühl sich kundgeben mußte, erkannte er in einem Streit zwischen zwei Weibern umden Besitz eines Kindes, auf welcher Seite die Wahrheit und aufwelcher die Verstellung war. „Zerschneidet das streitige Kind,"urtheilt er, „und gebet davon Jeder derselben die Hälfte, so wieauch die Hälfte des zu Tode erdrückten Kindes." Eine echte Mutterkonnte eine solche Entscheidung nicht annehmen und leistete lieberauf den Besitz des Kindes Verzicht. Ueberhaupt lag SalomoRecht und Gerechtigkeit am Herzens. In seinem Reiche sollte
Könige I, 10, 9.