Salomo.
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fördert, und wenn er durch alle diese materiellen und geistigenSchöpfungen das Land seiner Regierung zu einem Musterstaateerhebt, wie es vor ihm noch niemals und nach ihm nur seltenvorkam, so verdient ein solcher König allerdings das volltönendeLob, das ihm die Nachwelt gespendet hat. Von der Größe seinerLeistungen bestochen, drückte sie sogar das Auge vor den Schwächenzu und betrachtete sie als nothwendige Folgen menschlicher Unvoll-kommenheiten. Alle diese großen Züge sind in Salomo nicht zuverkennen. Er hat vor Allem seinem Lande den Frieden erhalten,obwohl es ihm mit den Mitteln, die ihm sein Vater hinterlassenhatte, nicht schwer hätte fallen können, neue Eroberungen zumachen. Davon hat er auch seinen Namen — der „Friedens-könig" (Schelomo, Schilo) erhalten. Er hat für sein VolkWohlstand und Lebensbehaglichkeit geschaffen und es dadurch derGedrücktheit und Eingeengtheit entrissen. Er hat es mit Weisheitund Gerechtigkeit regiert und Streitigkeiten zwischen Einzelnen undStämmen mit Unparteilichkeit geschlichtet. Er hat das Land mitStädten gefüllt und für die Sicherheit der Straßen und derKaravanenzüge Sorge getragen, er hat die Stadt Jerusalem mitPracht erfüllt, und einen herrlichen Tempel zum Ruhme des GottesIsraels erbaut. Er hat Künste und besonders die Dichtkunst selbstgepflegt und damit dem Volke einen daseinswürdigen Reiz ver-liehen. Er hat endlich dem Volke große Ziele gesteckt und dessenBlick über die Spanne hinaus geöffnet. Dafür wird er mit Rechtals der weise König gepriesen.
Indessen darf sich die strenge Richterin von den glänzendenTugenden und Verdiensten nicht blenden lassen, um die Flecken zuübersehen, die seiner Regierung anhafteten. Sie darf nicht ver-schweigen, daß er, wie jeder Weibgeborene, nicht von Fehlern freiwar. Wie will sie sonst den unheilvollen Bruch erklären, welcheran seinem noch frischen Grabe eingetreteu ist? Der Anfang vonSalomo's Regierung war nicht ohne Blutflecken, und der Ausgangnicht ohne Wolkenzüge, welche ihren Glanz verdunkelten. SeinePrachtliebe hatte die Sittlichkeit geschädigt, den Despotismus ge-schaffen und dem Volke ein Joch aufgelegt, das es zwar langeertrug, aber bei günstiger Gelegenheit abschüttelte. Salomo hatdas Königthum in ein strenges Herrenthum verwandelt, unter demder Wille Aller sich dein seinigen unterthänig beugen mußte.