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1 (1873) Geschichte der Israeliten von ihren Uranfängen (um 1500) bis zum Tode des Königs Salomo (um 977 vorchr. Zeit) : nebst synchronistischen Zeittafeln
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David und Bathseba.

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der Pforte des Palastes. David sann daher auf einen Ausweg,und dieses führte ihn zu einem Verbrechen. Da er feine Ehrenicht retten konnte, so sollte der Mann nicht am Leben bleiben, derbei der Kunde von seines Weibes Untreue und bei seiner Todes-verachtung vielleicht David's Leben bedrohen oder gar seine Genossen,die Helden, zum gemeinschaftlichen Aufstande gegen den ehrver-gessenen König aufstacheln könnte. David sandte daher Urija zuJoab ins Lager mit einem Schreiben, daß dieser den Ueberbringerbei den Ausfällen der Ammoniter auf den gefährlichsten Platz stellenmöge, wo ihn der Tod sicher treffen sollte. Das Erwünschte trafein. Urija sank von einem ammonitischen Pfeile durchbohrt todtnieder. David vernahm diese Post freudig und tröstete sich dadurchüber den anderweitigen Verlust, den sein Heer an demselben Tagevor der ammonitischen Hauptstadt erlitten hatte. Bathseba be-trauerte ihren gefallenen Gatten der Sitte gemäß, und nach derTrauerzeit nahm sie David als Ehefrau in seinen Palast, und siegebar ihm einen Sohn.

In jedem anderen Staate würden solche Launen des Königsim Hofkreise nur leise flüsternd besprochen, kaum getadelt und jeden-falls vergessen worden sein. Bis zum Volke würde höchstens einschwankendes Gerücht davon gedrungen sein. Was war denn ge-schehen? Urija ist im Kriege gefallen. Wer wußte, auf wessen Ver-anlassung? Joab ganz allein. Die Wittwe Bathseba kam in David'sFrauenhaus, wie konnte man dgran Anstoß nehmen? Sie gebareinen Sohn, vielleicht um einige Monate zu früh. Wer konnte oderwollte die Zahl der Monate nachrechnen? Das Kind konnte alsUrija's Waise gelten. Aber im israelitischen Staate gab es einAuge, welches das künstliche Dunkel zu durchdringen vermochte, undein Gewissen, welches mit lauter Stimme die Sünde dem Sünder,und sei er auch ein König, vorhielt. Das Prophetenthum war dasdurchschauende Auge und das unerbittliche, wache Gewissen. Seineschönste Aufgabe bestand darin, das Verbrechen nicht durch Ver-tuschung und Beschönigung zur Gewohnheit aufwachsen zu lassen, esvielmehr in seiner abschreckenden Gestalt zu zeigen und zu brandmarken.David mochte glauben, daß nur Bathseba Mitwisserin des Ehe-bruchs und nur Joab Mitwisser des erwünschten Todes Urija'ssei. Aus diesem Wahn wurde er plötzlich zu seinem Schreckengerissen.