260
Geschichte der Juden.
Die Freude über die großen Errungenschaften blieb indes;nur kurze Zeit ungetrübt. Staatenglück, wie Menschenglück ist seltenvon langer Dauer, oder es müssen auf -Sonnentage wieder trübeTage folgen, um die Kräfte nicht einschlummern zu lassen, denCharakter durch Kampf gegen Ungemach zu stahlen und solchergestaltdas verborgene innere Wesen ans Licht zu bringen. Ein einzigerFehltritt David's brachte ihn nicht blos um seine innere Freudig-keit und Ruhe, sondern rüttelte auch an dem Grundban des Staates,den er mit so viel Kraftanstrengung gelegt hatte. Als er von denaramäischen Siegen heimgekehrt war und von den Mühsalen desKrieges ausruhte, während Joab mit den Truppen und der Hclden-schaar im Lande Ammon den unterbrochenen Kampf wieder auf-nahm (o. S. 254), erblickte David vom Dache seines hochgelegenenPalastes ans, wo er in den Abendstunden Kühlung suchte, einschönes Weib im Bade. Es war die Ehefrau eines seiner treuestenHelden, des Chithiters Urija, Namens Bathseba jBathscheba).Die Häuser seiner Helden waren auf Zion in der Nähe vonDavid's Palast erbaut (o. S. 237), und so traf sein Blick die schöneBathseba. Bon plötzlich aufwallender Leidenschaft ergriffen, zügelteer seine Gelüste nicht, sondern sandte Boten an sie, sich zu ihm zubegeben. Sie leistete Folge; vielleicht glaubte sie einem Königenichts versagen zu dürfen, nicht einmal ihre Keuschheit und Treuegegen ihren Gatten. Als David nach einiger Zeit von Bathsebaerfuhr, daß ihr Ehebruch nicht ohne Folgen geblieben sei, war Daviddarauf bedacht, seine Ehre zu retten, und verstrickte sich immer tieferin Sündhaftigkeit. Er ließ ihren Gatten Urija aus dem Feldlagervon Rabba nach Jerusalem kommen, nahm ihn freundlich auf undertheilte ihm die Freiheit, sich in sein Haus zu begeben, sich behaglichauszuruhen und seines Weibes zu genießen. Urija aber, dem dasLagerleben und die Betheiligung an den Kämpfen für Jsrael's Wohlhöher galt als behagliche Ruhe und Ehefreuden, machte von derErlaubnis; keinen Gebrauch, sondern schlief im Eingänge des Palastesmit den Trabanten, welche des Königs Person bewachten. Daswar David unangenehm. Er versuchte daher, ihn durch Trunken-heit von seiner Strenge abzubringen. Er lud Urija zur Tafel undließ ihn berauschen in der Voraussetzung, daß er im Rausche denWeg zu seinem Hause und seinem Weibe suchen würde. Alleinder rauhe Krieger blieb auch in der darauf folgenden Nacht an