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Geschichte der Juden.
Eines Tages erschien der Prophet Nathan vor David underbat sich die Erlnubniß, eine Klage vor ihm aussprechen zu dürfen.Er erzählte ruhig eine Parabel. In einer Stadt lebte ein Reicher,der viel Groß- und Kleinvieh besaß, und neben ihm ein Armer,welcher nur ein kleines Lämmchen besaß, das er sich groß gezogenund an sich so gewöhnt hatte, daß es von seinem Bissen aß,aus seinem Becher trank und in seinem Schooße schlief, das erüberhaupt wie ein Kind liebte. Als nun eines Tages ein Gastzum Reichen gekommen war, geizte dieser, von seinen Heerden einMahl für denselben zu bereiten, raubte vielmehr das Lamm desArmen und bewirthete damit seinen Freund. Beim Anhören dieserKlage empörte sich David's Rechtsgefühl, und er bemerkte mit Ent-rüstung: Der herzlose Reiche verdiente den Tod, mindestens sollteer dem Armen das geraubte Lamm vielfach ersetzen. Darauf ent-gegnete ihm der Prophet: „Du selbst bist's! Du hast dich nicht mitden vielen Frauen Deines Harems begnügt, sondern dem armenUrija sein einziges Weib geraubt, hast ihn umbringcn lassen imKriege gegen die Ammoniter, als er für Vertheidigung der Ehredes Landes sein Leben einsetzte — und zuletzt noch, als wennnichts geschehen wäre, hast Du sein Weib in Dein Frauen-hans ausgenommen. So wisse denn, daß das Schwert in DeinemHause wüthen und das in Sünde erzeugte Kind nicht am Lebenbleiben wird."
Jeder andere König würde über den Sittenrichter, der sich er-frecht hätte, dem gekrönten Haupte, den: Abbilde Gottes auf Erden,die Wahrheit zu sagen, die verdiente Züchtigung verhängt haben.David, der Zögling des Propheten Samuel, sprach, als ihm dasBild seiner Missethaten vorgehalten wurde, von Reue gebeugt: „Ja,ich habe gesündigt." Gewiß hat er es nicht an inbrünstigen Gebeten,an demüthiger Zerknirschung^) und an Sühnopfern fehlen lassen,um von Gott Vergebung zu erflehen. — Nach einiger Zeit ver-kündete ihm Nathan im Namen Gottes, daß ihm verziehen sei, daß
h Die Psalmüberschrift bezieht den Reue-Psalm 51 auf David und seineSünde mit Bathseba. Die Kritik setzt indes; die Abfassung desselben in einespätere Zeit. Einige Ausleger beziehen aber den Bnßpsalm 32 ans dieses Factum,allein er paßt so wenig darauf, daß nicht einmal der Psalmsammler, welcher dieUeberschriftcn an die Spitze gestellt hat, ihn darauf bezieht. Er gehört entschiedender Zeit der und an.