Druckschrift 
1 (1873) Geschichte der Israeliten von ihren Uranfängen (um 1500) bis zum Tode des Königs Salomo (um 977 vorchr. Zeit) : nebst synchronistischen Zeittafeln
Entstehung
Seite
172
Einzelbild herunterladen
 

172

Geschichte der Juden.

lich an einem Regenten ein großer Fehler gewesen, der einer ge-wissen Festigkeit und Härte nicht entrathen konnte. Sonst warJonathan eine ideale Persönlichkeit mit einem schwärmerischenWesen, das wohlthuend anmuthet. Eine wahrhafte Natur und einFeind von allen Winkelzügen, sprach er seine Meinung gerade her-aus, auf die Gefahr hin, sich mißliebig zu machen, seine Stellungund selbst sein Leben zu verwirken. Alle diese Vorzüge machtenihn zum Liebling des Volkes, sobald sie nur erkannt wurden.Saul's Vetter Abner war ganz andern Schlages, ein Haudegenvon unbeugsamer Festigkeit, auch mit einer gewissen Schlauheit be-gabt. Auch er leistete dem unerfahrenen König und dem Volke inseiner Noth wesentliche Dienste. Von diesen und andern Treuenaus seiner Familie und aus dem Stamme Benjamin überhauptumgeben, welche stolz darauf waren, durch ihn zur Bedeutunggelangt zu sein, nahm Saul den zuerst ungleichen Kampf mit denPhilistern auf i).

Der wirre Knäuel in der Relation von Saul's ersten Kriegsthaten,welchen die Ausleger und Historiker nicht zu entwirren vermochten, kann nurdadurch gelöst werden, daß der Krieg gegen die Philister (Kap. 1315)chronologisch voranging dem Kriege gegen die Ilmmoniter <Kap. 1112). Wie ist es auch anders denkbar! In der Relation vom Philisterkrieg istangegeben, daß die Israeliten keine Waffen hatten, und nur 600 sich um Saulschaarten, und in der andern Relation wird ein förmlicher Kriegszug gegen dieAmmoniter geschildert mit Waffen und 330,000 Kriegern. Mag die Zahl auch umvieles übertrieben sein, immerhin aber muß die Zahl größer gewesen sein, alsim Kriege gegen die Philister. Diese Unvereinbarkeit hat die Ausleger zu demverbrauchten Auskunftsmittel greifen lassen, daß zwei verschiedene Relationenüber die Anfänge der Geschichte Saul's zusammengesetzt worden wären. Es istaber damit nichts gewonnen, und die Schwierigkeit bleibt dieselbe. Außerdemist angegeben, daß Samuel gleich bei seiner ersten Unterredung Saul aufgefor-dert hat, sich nach Gilgal zu begeben und dort auf seine Ankunft zu warten<10,8). Dann wird erzählt, daß Saul im Beginne des Philisterkriegessich dahin begab, das Volk ihm nachzog, auch Samuel dort eintraf und Saulwegen seinen eigenmächtigen Handlungen tadelte. Dieses alles ist unvereinbar,wenn zwischen Saul's Wahl und den Philisterkrieg der ainmonitische Feldzug fallensoll. Alle diese chronologischen und sachlichen Wirrnisse lassen sich einfacher da-durch lösen, daß der Philisterkrieg dem ammonitischen voranging undbald nach der Wahl erfolgte. Im Beginn jenes Krieges war das Volk hilflosund unbewaffnet, durch den Sieg bei Michmas wuchs ihm der Muth und eshatte Waffen genug, später gegen Ammon zu ziehen. Ter Erzähler diesesStückes verfolgt aber einen didaktischen Zweck lvergl. Note 8), in der Geschichte