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Geschichte der Juden.
zwischen den Stämmen geschlichtet und überhaupt auch das Richtcr-amt ausgeübt haben; aber nur wenn sich die streitenden Parteienan sie gewendet und sich ihren Aussprüchen freiwillig unterworfenhaben. Eine obrigkeitliche Gewalt und Gehorsam erzwingendeAutorität hatten die Richterhelden nicht. Die Vereinzelung undZersplitterung der Stämme dauerte daher trotz ihrer zeitweiligenSiege fort und die Schwäche im Innern nahm eher zu, als ab.Simson's Schlangenbisse und Basiliskenstiche ' haben die Philisternicht abgeschrcckt, die Stämme in ihrem Bereich als Unterthanenoder richtiger als ihre Sklaven zu betrachten und zu mißhandeln,und eben so wenig haben Jephtah's Siege über die Ammoniter dieseso weit herunter gebracht, daß sie ihre Ansprüche auf die OststämmeReuben, Gad und Halbmanasse aufgegeben hätten. Der Zustandnach dem Tode Simson's und Jephtah's muß noch trostloser ge-worden sein.
Aber gerade dieser hohe Grad der Schwäche führte, als erempfunden wurde, zur allmäligen Genesung und Erstarkung. Ein-zelne Stammführer müssen dadurch zur Einsicht gekommen sein,daß das Anklammern an die Nachbarvölker und die Annahme dergötzendienerischen Bräuche sie nicht gefördert, sie vielmehr biszur Ohnmacht geschwächt hatten. Die Erinnerung an den Gottihrer Väter — ganz anders geartet als die Naturgötter mit ihrerUnzüchtigkeit —- muß wieder einmal lebendig geworden sein und dasGewissen aufgerüttelt haben. Sobald diese Erinnerung so recht wachwurde, wurden die Erweckten auch an das diesem Gotte geweihte Zelt-heiligthum in Schilo erinnert und suchten es auf. Schilo wurde daher zuEnde der Richterzeit mehr Sammelpunkt, als früher. Hier befanden sichLeviten, welche noch Hüter der von Mose überlieferten Lehre waren,und diese mögen es in Volksberathungen, die wegen der Noth derZeit gehalten wurden, den Versammelten zum Bewußtsein gebrachthaben, daß der Abfall vom Gotte Israels und die Verehrung desBaal sie in solches Elend gebracht habe. Eine solche Rede einesPriesters oder Leviten, die nur in dieser Zeit gehalten worden seinkann, hat sich noch erhalten. Im Namen Gottes sprach Einer zu derversammelten Volksmenge, vielleicht in Schilo. „Fürwahr aus Aegyptenhabe ich euch erlöst", spricht Gott, „und von Moabitern, Ammonitern,Philistern, Sidonicrn, Amalekitern und Midianitern, die euch be-drängt haben, habe ich euch errettet, als ihr zu mir gefleht habt.