Druckschrift 
1 (1873) Geschichte der Israeliten von ihren Uranfängen (um 1500) bis zum Tode des Königs Salomo (um 977 vorchr. Zeit) : nebst synchronistischen Zeittafeln
Entstehung
Seite
126
Einzelbild herunterladen
 

126

Geschichte der Juden.

gegen seine Brüder. Es scheint sich ein sörmlicher Bruderkriegentspannen zu haben, dessen Einzelheiten nicht mehr bekannt sind.Abimelech blieb Sieger und ließ, wie erzählt wird, Gideon'sganze Nachkommenschaft, siebzig Söhne (und Enkel) auf einem ein-zigen Felsen hinrichten. Den Sieger mit blutgetränkten Händenerkannten die Sichemiten als Oberhaupt an. Nur ein einziger vonGideon's Söhnen, Namens Jot am, rettete sich, entfloh aus Ophra,bestieg den Berg Garizim bei Sichern und hielt den Bewohnerndieser Stadt ihre Undankbarkeit gegen das Haus Gideon's in

schneidenden Worten vor. In sinniger Räthselsprache rüttelteJotam ihr Gewissen auf und verkündete ihnen ihr Geschick:

Die Bäume suchten einst einen Herrscher und forderten nacheinander die fruchttragenden Bäume, den Oelbaum, den Feigenbaumund den Weinstock auf, sie zu regieren. Sie lehnten aber sämmt-lich die Ehre ab, weil sie sich zu gut dafür hielten. In der Nothum einen Herrscher wandten sich die Bäume an eine stachlicheHeckenpflanze (^.taä), daß sie die Regierung übernehman möge.Diese that's mit Freuden, stellte aber ihre Bedingung:Wenn

ihr es Ernst damit meint, so will ich euch schützen, wenn aber

nicht, so wird das von mir ausgehende Feuer euch alle, selbst die

Bäume des Libanons in Rauch aufgehen lassen" *). Jotam fuhrdann fort, die Nutzanwendung zu machen:Wenn ihr im Ernstden Abimelech, den niedrigsten der Söhne meines Vaters, zumKönig gewählt habt, aus Dankbarkeit, weil mein Vater euch vonden Midianitern gerettet hat eine eigene Dankbarkeit, da ihrseine Söhne habt umbringen lassen! so möget ihr an einanderFreude finden. Wenn es euch aber nicht Ernst mit der Wahl ist,so werdet ihr und Abimelech einander aufreiben." Nachdem Jotamvon einem Felsen des Garizim den Bewohnern Sichems dieseWorte zugerufen, entfloh er weit bis nach Beera (Beerot) zumStamme Benjamin.

Die Freundschaft zwischen den Sichemiten und Abimelech dauertein der That nicht lange, nur drei Jahre, weil es den Ersteren nichtErnst mit der Wahl war. Diese dachten gar nicht daran, sicheinem König zu beugen, sondern nur das Haus Gideon's aufzu-

tz Die Fabel ist durchaus echt und paßt nur für die Situation bei derWahl Abimelech's.