Gesellschaftliche Veränderungen nach Gideon's Zeit. 125
Gideon zuerkannt wurde, wenn auch der Name und die Attributefehlen mochten. Es war überhaupt seit diesem Richter-Helden eineVeränderung eingetreten. In Folge der außerordentlich reichenBeute an Gold und werthvollen Stoffen, welche die israelitischenStreiter den Midianitern abgenommen hatten, war mehr Wohlstandin das Land eingezogen, der selbstverständlich zunächst den Städtenzu Gute kam. Das städtische Wesen und die Prachtliebe nahmen mehrzu. Die Verbindung mit den Handel-treibenden Phöniciern wareine Folge der Veränderung. Größere israelitische Städte wurdenMarktplätze für phönicische Handelsartikel und Freistätten für fremdeAnsiedler. Damit diese Fremden Sicherheit für ihre Person undihr Eigenthum genießen und unbehelligt in Karavanenzügen aufden Verkehrsstraßen des Landes Israel ziehen könnten, wurdenBündnisse geschlossen und diese unter den Schutz einer Gottheitgestellt, daß diese die Bundesbrüchigen bestrafen möge. DieseBundesgottheit hatte den Namen Baal-Berith oder El-Berithi); ihr war ein eigener Tempel geweiht.
Da Ophra durch Gideon's Söhne und ihren Einfluß derStadt Sichem den Rang abzulaufen drohte, so sannen die Ephrai-mitcn darauf, Zwietracht unter Gideon's Nachkommenschaft zustreuen, um dadurch ihren Vorrang behaupten zu können. Unter seinenSöhnen befand sich einer, welcher Ehrgeiz mit Gewissenlosigkeitverband, Abimelech, der von einer sichemitischen Frau geborenwar. Sei es, daß dieser von selbst darauf kam, seine älterenBrüder zu stürzen und die Führerschaft an sich zu reißen, oder daßdie Sichemiten ihn dazu reizten2), genug, sie verstanden einanderund unterstützten sich gegenseitig, um Gideon's ältere Söhne zu ver-drängen. Die Sichemiten wählten Abimelech zum Anführer. Erwarb eine Schaar Soldtruppen, wozu ihm die Sichemiten Geldaus ihrem gemeinsamen Schatze gaben, wählte dazu gewissens- undgesinnungslose Menschen, und mit diesen führte er eine Fehde
tz Aus Richter 9, 33 ergiebt sich, daß nicht blos in Sichem, sondern auchin andern Städten ein verehrt wurde. Daß unter diesen Baal der
Schutz eines Städtebundes gestellt war, ist eine falsche Hypothese. Nur zumSchutz von Fremden diente er; daher wurden Gaal und seine Brüder, welcheNichtisraeliten waren, von Abimelech nicht gezüchtigt, sondern lediglich aus derStadt gewiesen.
2 ) Folgt aus Richter 9, 18, 24.