Druckschrift 
1 (1873) Geschichte der Israeliten von ihren Uranfängen (um 1500) bis zum Tode des Königs Salomo (um 977 vorchr. Zeit) : nebst synchronistischen Zeittafeln
Entstehung
Seite
124
Einzelbild herunterladen
 

124

Geschichte der Juden.

er von so großen Drangsalen befreit hatten, trugen ihm in über-triebener Bewunderung die Königswürde an, welche erblich aufseine Nachkommen übergehen sollte. Sein gewinnendes Aeußerehatte gewiß Antheil an der Schwärmerei des Volkes für ihn.Bescheiden lehnte indeß Gideon die Krone ab.Ich mag nicht überEuch herrschen, auch soll mein Sohn nicht über Euch herrschen, Gottsoll Euer König sein", antwortete er. Indessen hatte er doch, wieein König viele Weiberl) scheint seine Geburtsstadt Ophrazum Mittelpunkt der Stämme gemacht zu haben. Er errichtetedort bei dem Altar, den er im Namen des Gottes Israels errichtethatte so. S. 120), eine Art Cultusstätte mit einem goldenen Ephod,wobei wahrscheinlich ein Priester aus dem Stamme Levi den Dienstverrichten sollte2). Die Nachbarstädte wallfahrteten zum Heiligthumvon Ophra, das den Vorzug vor Schilo hatte, daß cs mehr inder Mitte des Landes lag. Dadurch stieß Gideon aber bei denEphraimiten an. Diese fühlten sich überhaupt verletzt darüber,daß Gideon sich erlaubt hatte, ohne sie zu siegen. Anfangs nochvollauf mit der Verfolgung des Feindes beschäftigt, mochte Gideonkeine Spaltung veranlassen und gab ihnen gute Worte:DieNachlese Ephraim's ist besser als die Hauptlese Abieser's." Als eraber mit Sieg und Ruhm gekrönt war und einen großen Theil derNachbarstämme hinter sich hatte, mag er wohl den Hochmuth derEphraimiten nicht geduldig ertragen haben. Es entstand daher seitder Zeit eine Spannung zwischen Gideon und den Ephraimitenoder zwischen den früher vereinten Stämmen Ephraim und Manasse,und sie brach nach dem Tode des Helden von Ophra in frevel-hafte Thätlichkeit aus. Es heißt, Gideon sei in sehr hohem Altergestorben, aber was er nach den großen Siegen geleistet, ist nichtbekannt geworden.

Nach seinem Tode verstand es sich von selbst, daß einer seinerzahlreichen Söhne er soll von mehreren Frauen siebzig Söhneund Enkel hinterlassen haben mindestens Oberhaupt des dank-baren Stammes Manasse und wohl auch der nördlichen Nachbar-stämme wurde. Es war tatsächlich ein Königthum, das dem Hause

p Richter 8, 30.

2) Richter 8, 27. Vergl. o. S. 105; ein Ephod diente dazu, die Zukunft zuverkünden, und dazu gehörte stets ein Levite. Das war eine Concurrcnz mitSchilo, wo die Nhroniden Träger des Ephod waren. Samuel 2, 28.