Druckschrift 
1 (1873) Geschichte der Israeliten von ihren Uranfängen (um 1500) bis zum Tode des Königs Salomo (um 977 vorchr. Zeit) : nebst synchronistischen Zeittafeln
Entstehung
Seite
99
Einzelbild herunterladen
 

Wanderung der Daniten.

99

Denn so viele Nachbarn, so viele Feinde hatten die Israelitenvon Anfang an. Wußten die Nachbarvölker auch nichts davon,daß die von Israel getragene neue Lehre darauf ausging, ihreGötter zu stürzen, ihre Altäre zu zerstören, ihre Spitzsäulen zu zer-trümmern, ihre Astartenhaine umzuhauen und ihren ganzen Götzen-plnuder in Nichts aufzulösen, hatten sie überhaupt auch keineAhnung von dem schroffen Gegensätze zwischen ihrem Wesen unddem innersten Streben der neueingedrungenen Bevölkerung, sohaßten sie doch die Eindringlinge, welche mit dem Schwerte in derHand den größten Theil des Landes besetzt hatten. Was blieb

den israelitischen Stämnien dieser offenen oder versteckten Feind-seligkeit gegenüber zu thun übrig? Sie mußten entweder einenVernichtungskrieg gegen die Nachbarn führen, oder sich mit ihnenauf freundnachbarlichcn Fuß setzen. Kriegerisches Vorgehen warnicht möglich, weil es nach Josua's Tod an einem Führer, anEinheit, auch an Kriegsgeschicklichkeit') und an Kriegslust mangelte.So steckten die Eroberer nach und nach das Schwert in die Scheideund suchten freundlichen Verkehr mit den Nachbarn. Die Kanaaniterund Phönicier verlangten für den Augenblick nicht mehr. Sie,

welche überhaupt mehr friedliche als kriegerische Zwecke verfolgten2),begnügten sich damit, daß die Karavanenstraßen offen blieben, aufdenen ihr Zwischenhandel ungestört betrieben werden konnte. Diein der Mitte des Landes wohnenden kanaanitischen Ueberbleibselfühlten sich zu schwach zu einem Kampfe gegen die Israeliten, weilauch sie vereinzelt und zerstückelt waren und auf Hilfe von einemauswärtigen Stamme nicht rechnen konnten. Diese schwache Seiteder Kanaaniter zeigte sich bei der Eroberung von Latsch (oderLatschim, Leschem). Der am ungünstigsten bedachte Stamm Danwar nicht lange nach Josua's Tode in der schlimmen Lage, einenTheil seiner Bevölkerung von sich weisen zu müssen, um genügendenRaum für die Zurückgebliebenen zu behalten. Die zur AuswanderungVerurtheilten 600 Krieger mit Weib und Kind wandeltennach Norden bis zum Fuße des Berges Hebron, bekämpften diedort wohnenden Sidonier, ohne daß diese von ihren StammgenossenHilfe erhielten und besetzten das außerordentlich fruchtbare Gebiet.

tz Vcrgl. Richter 3, 2; 5, 8.Vergl. das. 18, 7.

7*

.. 1 , 1>lZu...