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72 Geschichte der Juden.
In enger Nachbarschaft gediehen hier neben einander Baumgattungen,welche sonst einander fliehen, die schlanke Palme, welche nur in einemhohen Wärmegrad emporschießt, und die Eiche, welche eine solcheHitze nicht ertragen kann. Wenn die Südhitze das Blut des Menschenin Wallung setzt und ihn zn heftigen Leidenschaften hinreißt, somacht ihn der von den Schnecfeldern im Norden hinabwehendeWind wieder kühl, besonnen und überlegt. Bon Wasser ist dasLand von zwei Seiten eingerahmt, im Westen vom mittelländischenMeer, das an seinem Küstensaume Hafcnstütten für Schiffe bildet,und im Osten von einem langgestreckten Strom, dem Jordan, der,ans dem Schooße der Hermonhöhe geboren, in beinahe schnurgeraderRichtung von Nord nach Süd läuft und fast in seinem Anfangs-und Endpunkte von zwei großen Binnenseen scharf abgezeichnet ist.Im Norden fließt er durch den Harfensee (Linärst-, Genesaret-,Tiberiassce) nicht weit von seinem Ursprünge, und im Süden verliertsich das Jordanwasser in dem wunderbaren Salzsee. Auch diesebeiden Seen bilden einen Gegensatz. Der Harfensee (galiläischesMeer, etwa 3 Weilen lang und lU /2 breit), der seinen Namen vonseiner äußern Harfen-Gestalt hat, enthält Süßwasser; in seiner Tiefetummeln sich Fische verschiedener Gattung; an seinen fruchtbarenUfern gedeihen Palmen, Feigen, der Weinstock und andere Frucht-bäume. Der hohe Wärmegrad zeitigt in seiner Nähe die Früchteum einen Monat früher als auf den Höhen. Der Salzsee oderdas Meer der tiefen Mulde (Arabah, 10 Meilen lang, 2^/2 breit)hat eine entgegengesetzte Wirkung und führt mit Recht den Namendas todte Meer, weil Wirbelthiere in seinem Gewässer nichtleben können. Das viele Salz, das er enthält, verbunden mitBittererde und Asphaltklumpen, tödtet alles Lebendige in seinenFluthen. Auch die Luft ist dort von Salz geschwängert und derErdboden in der Nähe ringsum mit Salzgruben angefüllt, eineschaurige Wüste. Der oval gestaltete Bergkessel, der das todte Meerumgiebt, dessen Wände sich stellenweise mehr als 1300 Fuß vomWasserspiegel erheben, und der Pflanzenlos und öde ist, giebt derganzen Umgebung ein düsteres Aussehen. Und doch finden sich anseinen Ufern, zwischen Wasserspiegel und Bergwand, Oasen, die anFruchtbarkeit den gesegnetsten Flecken der Erde nicht nachstehenund die seltenen Balsampflanzen nähren. Fruchtbar ist dieOase von En-Gadi, an dem Westrande gegen die Mitte, welche