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1 (1873) Geschichte der Israeliten von ihren Uranfängen (um 1500) bis zum Tode des Königs Salomo (um 977 vorchr. Zeit) : nebst synchronistischen Zeittafeln
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Abneigung gegen mythologische Göttergeburten und Göttergeschichtenund ebenso gegen Spiel, Schaustellung und Schaulust hatte. Eshat aber dafür zwei andere poetische Gattungen geschaffen, welchedie ganze Fülle seines idealen Lebens abspiegeln: Den Psalmund die poetisch gegliederte Beredsamkeit der Propheten.Beide haben das gemein, daß ihr Grundzug die Wahrheit ist,nicht die Erdichtung, daß die Poesie dadurch vom bloßen Spiel undReiz sür die Phantasie zum Mittel für sittliche Hoheit erhoben wird.In dieser Literatur waltet, wenn auch nicht das Drama, so dochdramatische Lebendigkeit, und wenn auch nicht der komische Spott,so doch jene Ironie, welche von der idealen Höhe herab stolz aufalles Scheinweseu herabblickt. Die israelitischen Propheten undPsalmisten haben auch eine schöne poetische Form ausgeprägt, abersie haben den Inhalt und die Wahrheit nicht der Form zu Liebegeopfert. Das israelitische Volk hat auch eine eigene Geschichts-sorm geschaffen, welche den Vorzug hat, daß sie das Unwürdige undUnsittliche an den Helden, den Königen und Völkern nicht ver-schweigt, vertuscht oder beschönigt, sondern die Vorgänge stets derWahrheit gemäß erzählt.

Diese eigenartige hebräische Literatur, dergleichen kein Volkauf Erden aufzuweisen hat höchstens Nachahmungen hat ebenwegen ihres Vorzugs moralische Eroberungen gemacht. Die bild-samen Völker konnten der Innigkeit und Wahrhaftigkeit, die in ihrweht, nicht widerstehen. Wenn die griechische Literatur das Reichder Kunst und der Erkenntniß verklärt hat, so hat die hebräischedas Reich der Heiligkeit und Sittlichkeit idealisiert. Sie hat abernoch einen Vorzug vor jener, daß sie stets einen lebendigen Trägerbehalten hat, der sie auch unter den ungünstigsten Zeitlagen gepflegthat. Die Geschichte eines solchen Volkes verdient allerdings einigeBeachtung.

Aeußerlich und oberflächlich betrachtet, kann der Geschichtsver-lauf von dem Einzug der Israeliten in Kanaan bis tief in dieKönigsepoche hinein leicht irre führen. Denn die augenfälligenVorgänge haben lediglich einen politischen Charakter. Einfülle,Streifzüge, Kriege und Siege nehmen den ganzen Vordergrund derGeschichte ein; auf dem Schauplatz bewegen sich Volksführer, Helden,Könige und Feldherren; Bündnisse werden geschlossen und gelöst.Eine geistige Regsamkeit ist kaum im Hintergründe wahrnehmbar.